27.09.2009
Der große Moment

Wetter: sonnig 25 °C

Jetzt ist es soweit, ich werde meinen letzten Lauf für das heurige Jahr zu Protokoll bringen.

Wie ihr ja schon aus dieser Einleitung ersehen könnt, dieser Marathon ist zwar sehr schön, gut organisiert und eine Reise wert, aber er hat bei mir auch einen ordentlich Tribut gefordert. Wie es eben war, dazu komme ich jetzt.

Also angereist bin ich ja schon am Freitag, um ja keinen unnötigen Stress aufkommen zu lassen.

Das Hotel

Vor dem Hotel in Limone
Vor dem Hotel in Limone

sehr schön, gut gelegen, familiär hat also gut gepasst.

Limone bei Nacht
Limone bei Nacht

Freitags gleich mal zur Entgegennahme der Utensilien

Wo ist denn der Inhalt ?
Wo ist denn der Inhalt ?

angetrabt und da schon mal recht erfreulich feststellen können, dass die Beigaben recht ordentlich waren (Leibchen echt Klasse und die Socken ebenso). Der Freitag war also gelaufen, der von mir angedachte Verlauf

Der Gardasee, einfach schön
Der Gardasee, einfach schön

absolut auf Bestzeit abgestimmt, auch wenn in meinem Inneren ein leichtes Unbehagen vorhanden war. Aber das hat ein Jeder, das ist nur normal denke ich.

Nun wie sah es mit meinem körperlichen Zustand aus. Ja klar, die fast 14 Tage absolute Pause haben nicht unbedingt zu einem Hochgefühl geführt, aber die Psyche war OK und zu meinem Problemkind, der A-Sehne kann ich nur soviel sagen, dass ich ja eine Radikalkur gestartet habe. Zu den üblichen Schmierereien habe ich auch noch eine innerliche beinhaltete gestartet. Voltaren zum Quatrat. Seit Mittwoch Abend habe ich zusätzlich auf diese mir eigentliche widerstrebende Methode zugegriffen, die ich eigentlich gar nicht mag, Probleme durch Abtöten von Symtomen regeln. Nur dieser Lauf war mir sehr wichtig, meine Krankenschwester zu Hause als auch meine medizinischer Berater haben das GO dafür gegeben. Zwar mit dem Hinweis, dass das nur eine Ausnahme sein darf, sich zu Betäuben, um ….. Ihr wisst schon!
Nun ja, wie gesagt auf Basis dieser Behandlung ging es meiner A-Sehne richtig gut, kaum bis keine Beschwerden. Einzig was ich schon verspürte, waren meine Bedenken die ich zwar verdrängte, aber doch nicht ganz los wurde.

So ging auch der Samstag zügig voran und wurde durch einen Besuch unserer Tochter,

Tochter mit Freund
Tochter mit Freund

die in unserem Haus urlaubte, verkürzt.

Sonntag, 27.09.2009

Früh raus aus den Federn stand auf dem Programm, um das ganze Prozedere auch stressfrei abwickeln zu können. Also 0615 Tagwache, das Übliche halt um munter zu werden und dann pünktlich um 0700 das abschließende Früstück einnehmen, das ich gar nicht so geniesen habe können. Vorsichtshalber nochmals schnell eine Voltaren 100 nachgeschoben und ab ging es Richtung Start.

Und ab Richtung Start
Und ab Richtung Start

Mittlerweilen war es 0800, also immer noch genügend Zeit um sich einen schönen Startplatz auszusuchen. Letzte Eindrücke vom Strand

Strand von Limone
Strand von Limone

und der Umgebung

Malerische Umgebung
Malerische Umgebung

aufgesogen, mit Laufkollegen geplaudert, die letzten Anweisungen meiner Frau nochmals kund getan und dann ab in die Startaufstellung.

Zu diesem Zeitpunkt war ich mir immer noch nicht ganz klar wie ich es nun anlegen will. In meinem Inneren kämpfte ich mit mir,

Risiko oder kein Risiko ?
Risiko oder kein Risiko ?

soll ich das geplante angehen, also meine PB verbessern versuchen, oder *nur* auf ankommen losrennen. Jetzt waren noch 10 Minuten Zeit und meine Entscheidung ist gefallen. Ich werde auf PB losmarschieren,

Die Entscheidung ist gefallen!
Die Entscheidung ist gefallen!

denn es ist eigentlich vollkommen egal, ob ich nur *relaxt* in der Gegend herumkurve, oder versuche das Rennen so schnell als möglich über die Bühne zu bringen. Das Wetter war auch so, dass einiges möglich war, also warum nicht.

0900 – der Startschuss

Ab jetzt gilt’s,

Und los gehts ...
Und los gehts …

in der Aufstellung weit vorne, der Pacemaker mit der 3:15 und den 3:30 unmittelbar vor mir, genau so wie ich mir das vorgestellt habe. Los ging es mit kleinen Anstiegen, nichts dramatisches und dann ab in die Tunnels. Echt fein, genau da war die Sonne an stärksten, eine angenehme Abwechslung und Erleichterung. Im Schlepptau der 3:30 Läufer/in, 3:15 war kein Thema, denn der/die 3:30er liefen eh schon auf 3:20 Ankunftszeit. Und das passte genau in meinen Plan, also hielt ich mich im Windschatten dieser Gruppe. Zu meinem Zustand musste ich mir da schon eingestehen, nach 4-5km hatte ich schon die ersten spürbaren Erscheinungen. Nicht dramatisch, aber eben schon spürbar. Gedacht habe ich mir allerding nur, wenn das so bleibt, dann kann es klappen. So ging es bis ins Arcotal weiter, immer schön auf Kurs und überhaupt *keine* kräftemäßigen Verschleißerscheinungen. Konnte immer noch zulegen, keine spürbare Ermüdung der Muskeln, nur eben die A-Sehne, die spürte ich schon, leider auch etwas mehr. 😦 Aber immer noch so, dass mein Plan nicht gefährtet schien.
Zwischen km 22 -25 waren dann langsam der Beginn vom Ende. Bei einer Station gab es in der Gruppe ein kleines Missverständnis, wer wo zulangt und schon war der kompakte Haufen durcheinander gewirbelt. Ich selbst hatte alle Hände voll zu tun, um nicht auf eine Mitläuferin drauf zu steigen, was wiederum zur Folge hatte, dass ich den Anschluss verloren hatte.
60-70 m haben sich da gleich aufgetan und die wollte ich auch wieder schließen. Ist mir auch gelungen, aber das war anscheinend zuviel. Nicht der Körper hat das wenig guttiert, sonder mein Patient am rechten Ende. Jetzt war echt Troubles angesagt. Zuerst mal habe ich versucht einen Rhythmus zu finden und in der Gruppe wieder Fuß zu fassen. Nur es ist leichter gesagt als getan, es haben sich da schon die ersten wirklichen Vorboten von dem was noch kommen sollte angemeldet. Ein ordentliches Abdrücken am rechten Ballen war nur mit größeren Schmerzen verbunden. Als wir aus dem Arco rausliefen ging es ab nach Torbole, das hieß stetiges bergauf Laufen. Es war so etwa km 27-28. Elendig, wie es da einem geht, wenn man sich super fühlt und Teile von einem nicht mitwollen. Zu dem Zeitpunkt habe ich mir noch gedacht, das geht, das kannst du schaffen wenn es dir gelingt den stechenden Schmerz, der immer mehr in den Unterschenkel wanderte und sich da breit machte, auszublenden. Der km-Schnitt war da aber schon, na ja gelinde gesagt, unterm Hund. Aber wie heisst es so schön, zuletzt stirbt die Hoffnung.
Und die ist ab km 32-33 endgültig gestorben, denn mitlerweilen bin ich nur mehr unrund, spricht leicht einknickend dem Ziel entgegen gehumpelt. Mal etwas schneller (pfffff) mal etwas langsamer (pffff), echt fies. Der Puls ist mitlerweilen auch im Keller.
Nun gut/schlecht, nachdem ich das für mich mental weggesteckt hatte, gab es für mich nur eines mehr, ich will ins Ziel, koste es was es wolle. Aussteigen gab es für mich nicht und wenn ich gekrochen wäre (wäre eh fast soweit gewesen). Ich habe mich echt schlecht gefühlt, war voller Wut und Enttäuschung. Mitlerweilen ist sogar der Schweiß an mir verkrustet, der Atem auf Büroniveau und mein rechtes Bein fast taub. Km 40, jetzt kam die Schlusspassage, nach ein wenig geradeaus kommt der Zieleinlauf, der gut einen km recht flott bergab führt. Ja jetzt nur mehr da runter und du bist erlöst. Erlöst von den **mentalen** Qualen, erlöst von dem Stechen am rechten Ende. So dachte ich, aber was kam war eine Qual, die mir das Wasser in die Augen trieb. Jeder Schritt dieses bergab Kilometers war ein Messerstich, dieses runterlaufen die Hölle. Ich war so froh im Ziel zu sein, rechts nicht mehr auftreten zu müssen, dass ich eine Endorphinausschüttung hatte, als wäre ich Bestzeit gelaufen. Die Zeit, ja die Zeit war zu meinem Erstaunen nicht mal schlecht, eigentlich gut (3:37:45), aber interessiert hat sie mich zu diesem Zeitpunkt nicht.

Man könnt fast meinen, des wäre vor dem Start!
Man könnt fast meinen, des wäre vor dem Start!

Meine Frau wartete wie ausgemacht und ihren Kommentar, den erspare ich euch lieber.

In Summe muss ich aber schon sagen, es war eine sehr schöne Veranstaltung mit guter Stimmung, schöner Kullise, viele Zuseher die immer wieder mit **bravi, bravi** Rufen die Stimmung anheizten und den Moral hoben.

Ich werde mich nun von dem Ganzen erholen, meinen angeschlagenen Fuß vollkommen auskurieren und dann wieder mit einem Aufbauplan vom PG starten. Es war wohl für mein erstes Jahr als **richtiger Läufer** etwas viel genug,

War wohl viel genug ....
War wohl viel genug ….

das ist so ein alter Sack nicht ganz gewöhnt! 😉 Aber er wird sich daran gewöhnen müssen, denn das war erst der Anfang.

Wem es interessiert, der kann sich das Ganze auf Garmin connect genauer ansehen.

ENDE der Geschichte.
Wie heisst es so schön, nach dem Wettkampf ist vor dem Wettkampf. Im Früjahr auf ein Neues!

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