Leistungsdiagnostik

Drei Stunden der Wahrheit

Heute war es wieder soweit, mein jährliches Pickerl stand an und wollte gemacht werden. Dazu gab es schon im Vorfeld eine sehr ausführliche Untersuchung bei meinem Internisten. Ergänzend dazu jetzt die heute stattgefundene Leistungsdiagnostik am Institut für Sport-, Alpinmedizin und Gesundheitstourismus (ISAG).

Ich gehe schon seit mehreren Jahren dort hin, bin sozusagen ein alter Bekannter, jedoch bis vor 3 Jahren immer in Bezug auf andere Sportarten. Anfangs war es noch meine aktive Zeit beim Fußball, anschließend das Tennis und eben seit 2007 der Laufsport.

Bis jetzt hat diese Untersuchung immer nur auf dem Ergometer stattgefunden, laut den Fachleuten, nicht die idealen Bedingungen für’s Laufen. Die Diagnostik am Ergometer lässt gewisse Unschärfen zu bzw gibt nicht erschöpfend Auskunft. Und genau da wollte ich heuer den Hebel ansetzen und ging dieses mal auf das mir vertraute Laufband, um endlich die Wahrheit zu erfahern. 😉 Auch wenn der Preis dafür ganz schön gesalzen ist. Aber das konnte mich nicht abschrecken, ich wollte Klarheit.

Punkt 07:30 stand ich an der Anmeldung und wurde auch sogleich wie ein „alter Bekannter“ begrüßt. Nun, das stimmte ja auch irgendwie! 😉

Nach dem allgemeinen Prozedere ging es gleich zum Check. Größe, Gewicht, Blutdruck, Harn und ein Ruhe EKG wurden gleichmal gemacht. Das Blutbild wurde mir erspart, hatte ich doch erst vor 4 Wochen eine eingangs erwähnte Gesundenuntersuchung, die erschöpfend Auskunft gab. Es wurden alle vom Arzt geforderten Parameter ermittelt, somit fand er keinen Anlass mir nochmals ein Loch zu verpassen.
Zwischendurch gab es das obligatorische Arztgespräch über die allgemeine Befindlichkeit, Haut, eventuelle vorangegangene Kranheitsgeschichten, als auch meine Zielsetzungen und Erwartungen im Bezug auf das Laufen wurden erfragt. Der junge Doc, ich war letztes Jahr schon bei ihm, er selbst Leistungssportler und extrem sympatisch und unkompliziert, machte auch diese Phase zu einem wahren Vergnügen. Fachsimperln fast ohne Ende.

Nach diesem Teil ging es ab zu der neu im Programm befindlichen Analyse der Körperzusammensetzung mittels Bioimpedanz (BIA). Echt eine interessante Angelegenheit und auf das Ergebnis bin ich noch gespannt.

Mittlerweilen waren schon über eineinhalb Stunden vorüber und schön langsam ging es an das Eingemachte, der Diagnostik auf dem Laufband. Das Laufband ist ja keine Unbekannte, aber was mich da erwartete war kein Band im herkömmlichen Sinn, sondern eher eine Laufstraße. Dimensionen, bei der man gleich eine ganze Fußballmannschaft diagnostizieren hätte können. Für mich als Techniker ein wahres Fressen. Bis die ersten Rucker getan waren, musste natürlich mit dem Chef ein ausführliches Gespräch über die ganze Apparatur und der Technik geführt werden. Beeindruckend. 🙂

Aber jetzt genug gequatscht, jetzt wurde aus Spaß ernst. Um sicher zu gehen, dass ich auch auf dem Band bleibe, wurde mir ein Riemengeschirr umgeschnallt und via Hacken am Rücken ein Hinknallen abgefangen zu können. Nun ja, das hatte ich ja nicht vor, aber nachdem er mir gesagt hatte, bis 50 km/h kann ich gehen, da wusste ich die Sicherheitsriemchen zu schätzen. Konnte ja sein, dass er sich vertat und ich gezwungen wäre, das Tempo mit zu gehen und da schätzt man dann schon so eine Sicherung!! 🙂 Späßchen! 🙂

Die Einlaufphase wurde noch zur Erläuterung genutzt, anschließend noch ein kurzes Austreten und dann gings los. Rauf auf die Laufstraße, Sicherung angebracht und dann wurde die Atemmaske aufgesetzt und fixiert. Einem Start stand jetzt nix mehr im Wege.

Folgender Ablauf war geplant:

  • Steigung auf 2% eingestellt
  • Anfangstempo 8 km/h ( = 7:30 min/km)
  • Steigerung der Geschwindigkeit alle 3 Minuten um 2 km/h
  • vor jeder Steigerung wird in einem kurzen Zwischenstopp das Blut für den Laktatwert genommen
  • Ende erst nach Abwinken des Propanden

Los ging es. Der Doc war auch anwesend, denn das Schauspiel wollte er sich nicht entgehen lassen. Zudem war er ordentlich gespannt, wie ich mich dabei mache. Die ersten 3 Durchgänge, na was soll ich sagen, waren eigentlich recht pasabel. Waren das ja erst 12 km/h, also eine Pace von 5:00. Ein Tempo, das ich ganz gut drauf hatte und somit gut machbar war.
Der nächste Steigerungsschritt war dann schon etwas härter, mein Sauerstoffgehalt in der Atemluft begann sich langsam verkehrt proportional zu entwickeln. Die 3 Minuten dauerten gefühlsmäßig damit schon etwas länger. Dazwischen immer der Schritt des Laktatmessens. Nun der 16 km/h Schritt tat schon etwas mehr weh, der ging schon ganz an die Substanz und brachte mich ordentlcih ins Schwitzen und Schnaufen. Hervorragend dabei immer die aufmunternden Worte der Leistungsdiagnostiker. Ich wusste es zu schätzen, hatte ich mir doch Anfangs das etwas leichter vorgestellt.

Nach kurzer Nachfrage, gehts noch und meinem weiter gehts, wurde das Laufband mit 18 km/h gestartet und ich wurde auf die Reise geschickt. Zum ersten mal hatte ich das Gefühl ich fliege über die Piste. Das war ein Tempo, das an meine Grenze ging. Unvorstellbar wie die Besten der Besten ein Tempo über 20 km/h (<3:00min/km) über die Marathondistanz gehen können, unglaublich.
Ich für meinen Teil war am Limit angelangt. Nur mit dem Willen alles zu geben habe ich mich über die 3 Minuten gerettet und dann das Handtuch geworfen. Vollkommen ausgepumpt ging es unter die Dusche, um mich dann noch etwas mental auf das Ergebnis vorbereiten zu können. Der Doc und sein Kollege fingen wärend dessen mit der Auswertung an.

Ich war gespannt, hatte ich mir eigentlich mehr von mir erwartet, andererseits aber soll das ja eine Art Standortbestimmung werden. Ich will ja wissen wo ich stehe, um dann das Training eventuell entsprechend anpassen zu können.

Endlich, der Doc, der Sympatikus, winkt mir zu und beim Eintreten in sein Gemach klopft er mir auf die Schulter. Kaum sitze ich, kommt schon sein erster Kommentar, das war eine klasse Leistung, ich muss ehrlich gestehen, das hätte ich dir nicht zugetraut!

So, nun staunte ich wie eine Holzkatze. Wie war das zu verstehen?

Die Erläuterungen des Ergebnisses ging runter wie Öl, bestes Olivenöl. Nach Betrachtung meiner ermittelten Daten und den daraus folgenden Schlussfolgerungen, hat sich meine Leistungsfähigkeit gegenüber dem letzten Test, um gut 25% gesteigert!!!! 🙂 In seinen Ausführungen und Erklärungen ging ganz klar noch eine verbesserungsfähige Grundlagenausdauer hervor, was jedoch nach seinen Worten, mich nicht von einer möglichen und unter guten Voraussetzungen zu einer für mich nicht für möglich gehaltenen Marathonzeit von 3:05:xx befähigen würde.
Bumm, das saß. Eine 3:05:xx ich, in diesem momentane Trainingszustand???? Seine schlicht und ergreifende Antwort war ja, das wäre mit den momentanen Leistungspotenzial machbar!!!

Ich konnte es nicht fassen. Was jetzt folgte war natürlich ein Frage und Antwortspiel. Nach über einer Stunde und einigen Informationen, die mich ganz schön puschten, verließ ich den Ort der Überraschung, um das gehörte wirken lassen zu können.

Was kann ich da für mich raushören, was nehme ich da mit, wie soll ich jetzt das Training steuern, muss bzw soll ich überhaupt etwas ändern? Fragen über Fragen und noch keine Antworten. Aber da mach ich mir keine Gedanken, jetzt lass ich das mal auf mich einwirken.

Sicher scheint zu sein, dass das über den Winter durch die Verletzung ausgefallene Training, der Ausdauerbereich etwas gelitten hat, das Leistungspotential jedoch vorhanden ist. Das stimmt mich natürlich extrem zuversichtlich und gibt mir die Sicherheit, dass mein eingeschlagener Weg nach der AS Verletzung der Richtige war bzw ist.

Den heutigen Tag musste ich natürlich entsprechend und gebührend mit einem kurzen Läufchen abschließen. Und ich kann euch sagen, diese fand unter einem Rausch an Endorphinen und Adrenalin statt.

G-Connect
TE vom 15.04.2010 – MDL (nach der Leistungsdiagnostik)

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