37. real- Berlin-Marathon

Berlin – eine Reise wert!

Nun, nachdem ich eine Nacht darüber schlafen konnte, kann ich so schön langsam das Erlebte in Worte fassen. Es war ein unglaublich tolles Wochenende, das tiefe Eindrücke hinterlassen hat. Die nun folgende Zusammenfassung der Betrachtung des Berlin-Marathon 2010 basiert schon mit ein wenig Abstand und ist da und dort auch ein wenig selbstkritisch, aber dies immer noch unter dem Aspekt eines glanzvollen Tages und eines phantastischen Wochenendes mit und unter Freunden!

So, jetzt lege ich mal los.

Am Freitag, dem 24.09.2010 – 10:35 war es soweit, der Flieger hebt von München aus

Anflug Berlin
Über den Wolken .....

in Richtung Berlin ab. Ab nun gilt es, die Fokusierung auf Berlin und dem angestrebten Ziel, eine sub 3:20 im Gepäck, ist im vollen Gange. Meine Frau, meine jüngste Tochter, meine Schwester und mein Laufkollege Markus waren auf dem Weg nach Berlin und bereit die Stadt zu erobern.

Nach dem Einchecken in unserer Hotel-Pension in der Kantstraße, klein aber OK, war unser erster Weg zum mitlerweilen aufgelassenen Flughafen Tempelhof. Dort angekommen war schon einiges los und nochmehr zu sehen.

Marathonmesse

Nach der Übernahme des Startpaketes machte ich mich auf die Suche von unserem Guru Peter Greif. Fündig wurde ich dann im Hangar 5. Nach einer kurzen Begrüßung, wurde gescherzt, gemessen (Fettmessung) und daraus eine PG-Prognose erstellt. Dabei hat es sich um eine mögliche Laufzeit auf Grund der aktuellen WK-Ergebnisse, der physischen Daten (Fettmessung+Gewicht) gehandelt. Aber immer alles auch unter optimalen Bedingungen und mentaler Fitness betrachtet.
Wer unseren Laufguru aber kennt, der weiß, dass bei all diesen Betrachtungen auch ein klein wenig Humor mit im Spiel ist. Trotz allem hat er meine Pläne ganz schön ins wanken gebracht. Im Nachhinein betrachtet habe ich leider die sicherere Variante gezogen und an meinem Vorhaben festgehalten, was eine noch bessere Zeit verhindert hat.

Nach einer kleinen Stärkung

Jetzt mach mal Pause ....

und dem Besuch einiger weiterer Stände ging es dann wieder zurück Richtung Hotel.

Nach einem gemütlichen Abend beim Italiener um die Ecke gings ab in die Kiste. Nach einer ruhigen Nacht mit gesundem Schlaf stand eine Besichtigungstour an. Nicht zuviel durch die Gegend laufen, denn das war erst am Sonntag am Programm, aber doch einiges Sehenswertes sollte schon dabei sein. Das haben wir dann auch ganz gut hinbekommen.

Zuerst mal wurde Berlin zu Wasser unter die Lupe genommen, sprich eine Spreefahrt wurde unternommen. Das war insofern gold richtig, denn am Samstag vormittag war das Wetter noch recht passabel. So konnten wir doch einen guten Eindruck von Berlins Sehenswürdigkeiten und ihrer Geschichte mit nach Hause nehmen. Klar, das waren nur schnelle Schnappschüsse, die aber doch sehr interessant waren. Und ganz wichtig, wir konnten unsere Beine und Füße schonen! 😉

Nachmittags, mitlerweilen hat es zu Regnen begonnen, war es dann doch noch etwas anstrengender. Ohne Tiere, sprich Zoo, wollte meine Tochter nicht wieder nach Hause reisen. Also ein paar Schritte mehr als geplant waren da schon angesagt. Allerdings hielt sich das auch in Grenzen und nachdem die Zeit schon so weit fortgeschritten war, setzten sich Markus und ich ab, damit wir den Start der Inliner live miterleben konnten. War echt eine beeindruckende Szenerie.

Am Abend war dann das Highlight des Tages angesagt, der Treff mit den mir persönlich noch unbekannten Greifianern aus dem Blog! 🙂 Treffpunkt war der Zille-Markt in der Bleibtreu-Straße.
Es war echt ein Highlight. Ingrid, Lutz mit Familie und Laufkumpel Stefan, sowie eine Überraschung, der Uwe, waren schon bei unserem Eintreffen anwesend. Ein großes HALLO war angesagt. Als dann um ca 19:00 ganz unerwartet der Alex bei der Türe reinmarschierte war dann der Wirbel riesig.
Nachdem auch Alex bei PG vorstellig wurde und er, der Alex seine PB im Visier hatte entschloss ich mich spontan, gemeinsam mit ihm dieses in Angriff zu nehmen, in der berechtigten Hoffnung, dass wir uns gemeinsam an die 3:20 ranmachen könnten. Dazu wurde ein Treff am nächsten Tag vereinbahrt.

Ein toller Abend mit ganz netten Kollegen, viel  gequatsche über dies und das, vielen Erinnerungsfotos und und und, rundeten den Abend ab.

Die letzte Nacht vor den großen Event war dann eigentlich die Ruhigste. Geschlafen wie ein Murmeltier rüttelte uns der Wecker um 06:00 aus den Federn. Nach den Routinevorbereitungen, ging es zum Frühstück.

Jetzt war bei mir der Vortag mit PG ein Thema. Das was wir geredet haben blieb bei mir dann doch nicht ganz ungehört und lies doch einige Zweifel aufkommen.
War mein ursprünglicher Plan, die sub 3:20 zu knacken, doch zu bescheiden?
Soll ich doch noch umschwenken und auf die Empfehlung von Peter, auf 3:12 anzulaufen, eingehen?

Ich war schwer beschäftigt und höchst verunsichert. Letztendlich habe ich mich dann doch für meinen ursprünglichen Plan, die 3:20 anzugehen, entschieden! Für mich eine schwere MENTALE Entscheidung, aber ich traute mich auf Grund der leichten Trainingsstörungen nicht wirklich über die 3:12 trüber. Somit war für mich klar, 3:20 und nichts anderes!

Um 8 Uhr gab es dann noch ein Treffen mit Ingrid und Alex, letzte Fotos geschossen und ein endgültiger Treff mit Alex und mir vereinbahrt. Und das ist jetzt einer der Wehrmutstropfen des Tages. Zum besagten Treff gab es kein durchkommen. Die Kleiderstation rund um Alex seiner Startnummer war dicht, kein Durchkommen!!!! 😦
Somit entschlossen wir uns mal zu den Blöcken nach vorne zu marschieren, denn nun war die Zeit doch schon etwas fortgeschrittener. Die Hoffnung auf Alex gab ich da noch nicht auf, denn sein und mein Block waren unmittelbar nebeneinander. Leider wurde daraus auch nichts, die Menschenmassen waren unüberschaubar und zum Ausrufen war es auch schon zu spät! 😉

Jetzt war klar, jetzt bist du auf dich alleine gestellt, die 3:20 warten darauf, ausgelöscht zu werden. Ganz nach PG Marathonrechner wollte ich vorgehen.

Die Strecke

00 – 15 km mit 4:46
16 – 25 km auf 4:37 steigern
26 – 42 km mit einer 4:42 abschließen

Macht in Summe dann eine 3:19:10, also wäre dann das Wunschziel erreicht!

Das Rennen, der Bericht

Eine unüberschaubare Menschenmasse

Menschenmenge soweit das Auge richt!!!

vor mir und hinter mir sowieso. Das Wetter eine Herausforderung, Regen und das mehr als genug und Temperaturen die eher dazu einluden den Winterpullover auszupacken als an einen Laufevent teilzunehmen.

Punkt 09:03 wurde der erste Schwung (Block A – E) losgelassen, ich durfte nun mein Vorhaben versuchen umzusetzen. Anfangs ging es etwas zäh zur Sache, aber gleich nach der Überschreitung der Zeitnehmung kam Schwung rein. Tradition hat da leider auch meine nervöse Blase, die sich ein weiteres mal meldete und ich dem Drängen folge leisten musste. Gleich nach der Siegessäule ging es ab ins Gemüse. Die Zeit die ich da eingebüßt habe, nah ja, da kann man halt nichts machen, aber mit einer leeren Blase läuft es sich einfach besser.

Trotzdem hatte ich Mühe, so richtig Fahrt aufzunehmen. Langsame Störenfriede waren zu überwinden und die eingebüßte Zeit war auch noch wett zu machen. Ist mir dann auch nicht ganz aufgegangen, denn nach 5 km wollte ich schon mit 4:45 unterwegs sein, stattdessen waren nur magere 4:50 auf der Uhr. Nun gut, Ziel soll sein, dass nach 15 km die 4:46 draufstanden und daran wollte ich arbeiten.

Ich kam dann sehr gut voran, zwar schwierig zum Überholen und man musste immer extrem auf der Hut sein damit man nicht von der Piste flog. Aber das ist nun mal so bei großen Veranstaltungen, das macht auch den Flair aus und reisst einen, mich zumindest, ordentlich mit. Es war einfach toll und das Gefühl wurde immer besser, die Beine fühlten sich ganz locker an, es lief alles fast zu leicht. Die Durchschnittszeit war mittlerweilen bei km 10 schon auf 4:47 und ich hatte da jetzt schon erste Zweifel, ob ich nicht zu tief gestapelt hatte. Gedanken wie, jetzt kannst du noch anreissen, doch noch zumindest auf die 3:15 gehen, strömten durch meinen Kopf. Das Körpergefühl war sensationell, meine Zweifel über meine 3:20 Entscheidung immer größer. Aber ich sagte mir, bleib vernünftig, der Weg ist noch sehr weit und somit war das Thema vorerst abgehakt.

Bei km 15 dann der nächste Blick auf die Uhr und was ich sah und vor allem was ich spürte beunruhigten mich sehr. Nun war meine durchschnittliche Pace schon auf 4:42 und ich verspürte viel Energie.

Voll auf Kurs

Jetzt kam nochmals das Thema auf den Asphalt, letzte Chance, jetzt oder nie mehr. Ich kann euch sagen, das war ein innerlicher Kampf der aber letztendlich mit einer Vernunftsentscheidung geendet hatte. Aus und fertig, ich bleibe bei meinem 3:20 Vorhaben! Somit war aber auch klar, ich werde nicht mehr soviel forcieren, sondern genau nach meinem Plan vorgehen.

Ab KM 16 stand dann eh eine leichte Tempoverschärfung an, 4:37 sollten es für diesen Abschnitt werden. Und das ging ganz leicht von den Beinen. Trotz aller schwieriger Ausweichmanöver (Pfützen) und Vorbeilaufen an Hindernissen konnte ich das leicht bewerkstelligen. Der HM wurde fast mit einer Punktlandung getroffen. Statt der 1:39:59 brauchte ich 1:40:00, also alles paletti.

Und dann kam es, der Gau, der Horror eines Läufers, ich lag binnen Sekundenbruchteilen auf der Schnauze. Schuld daran war niemand andere als ich selbst. Ja ich hatte mich bei einer Wasseraufnahme nach der HM-Marke für ein Gel entschieden. Na ja, nichts ungewöhnliches, nur das war eine Entscheidung im letzten Moment. Zielstrebig bin ich den Becher angelaufen, habe ihn übernommen, zeitgleich das Gel aus meiner Hose gefummelt, den Verschluss zwischen die Zähne geklemmt und versucht das Ding zu öffnen und das alles im Lauf ohne viel Temporeduzierung.

Verpflegungsstation

Was passierte dann?

Gel rutschte mir bei der Kälte und Nässe aus der Hand, kam vor mir zu liegen, bekam von mir einen bewussten Kick mit dem Fuß (Klasse Leistung, denn so schnell gebe ich eine Verpflegung nicht auf), um sie dann im Laufschritt wieder aufnehmen zu können. So weit so gut, nur diese Bewegung nach unten um das klitschnasse Gel aufzunehmen ging voll daneben. Ehe ich es mich versah lag ich breit auf der Straße, schlug mir das Knie an, schürfte mich auf und hätte beinahe noch zwei Laufkollegen mitgerissen. Das Aufraffen ging zwar schnell, aber der Rhythmus war massiv gestört. Weh habe ich mir nicht wirklich getan, ein paar blaue Flecken, aber das geschied mir eh recht. Viel mehr als die Schürfwunde hat die Tatsache geschmerzt, dass meine Durchschnittszeit flöten ging und ich erst wieder in den Rhythmus kommen musste. Den 25er konnte ich durch diese Sondereinlage nur mit einer 4:44 abschließen. 😦

Aber auch zu diesem Zeitpunkt fühlte ich mich unheimlich stark und das war auch notwendig, denn meine Zwergenblase meldete sich ein weiteres mal. Man möchte es nicht für möglich halten, aber ein weiterer Gang ins Gebüsch wurde notwendig.

Irgendwie war ich doch ein wenig angefressen. Man errauft sich Sekunde um Sekunde und dann leert man den Bonus beim Pinkeln und Ausschlafen am Asphalt wieder aus.

Nach dieser Aktion war ich zum Glück nur wütend und nicht niedergeschlagen. Nur hieß es jetzt wieder Zeit vernünftig gut zu machen. Und das gelang mir auch sehr gut. Ohne übermäßige Kraftakte konnte ich mich wieder an meinen Plan heran arbeiten und ab km 30 war ich wieder auf Kurs (4:42).

Jetzt beschränkte ich mich nur mehr auf das Überholen und einsammeln von Patienten. Schön aufpassen und ja keine Fehler mehr machen.

Der Weg ist das Ziel!

Es war dann ein Funlauf wie ich ihn noch nie erlebt hatte. Immer auf Kurs mit dem Tempo, keine all zu großen Verschleißerscheinungen, richtiges Gänsehautfeeling! 🙂 Jetzt war klar, das läufst du jetzt nach Hause und geniest den Erfolg!

Im Ziel dann hatte ich dann den Lauf gedanklich nochmals Revue passieren lassen und das Gefühl eines tollen WK genossen.

Meine neue PB lautete nun 3:19:08.

Aber auch ein wenig Wehmut kam auf und die Frage, warum bist du nicht doch schneller gegangen, gingen mir durch den Kopf. Ja warum???

Dies dauerte aber nicht allzu lange, die Freude über das Erreichte überwiegt das Gefühl bei weitem. Und zudem braucht man ja auch noch Perspektiven für die Zukunft. 🙂

Markus, mein Lauffreund lief ein sensationelles erstes Rennen über die Königsetappe. Er finishte in einer super Zeit von 3:29:09.

Abschließend kann ich nur sagen,

Ich habe leicht lachen ....

trotz schlechter Witterung ein tolles, eine bestens organisierte Veranstaltung, einfach ein Erlebnis!

Der G-Connect zum WK, 37. real-Berlin Marathon

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One thought on “37. real- Berlin-Marathon

  1. Hallo Christian,

    hier dann auch noch mal meine Glückwünsche. Netter Bericht, vor allem die Passage mit dem Sturzflug *g*

    lg Karin

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