2 Marathons innerhalb 14 Tagen

So, nun ist es wieder so weit, es hat sich genug Stoff angesammelt, dass es für ein paar Zeilen reicht. 😉

Wie schon in meinem Artikel zuvor angekündigt, habe ich das Waagnis auf mich genommen und innerhalb von 14 Tagen zwei Marathons absolviert. Ja, ich konnte der Versuchung und den Lockrufen von Alex, meinem „Special Spezi“ aus Schweinfurt, nicht und nimmer widerstehen.

Zwar hatte ich in diesen zwei Wochen einiges an Überlegungen, Zweifeln und Ratschlägen konsumiert, meine Planung auch auf HM korrigiert, doch insgeheim hatte ich noch zuviel an Lauffeuer in mir. Wie es letztendlich dazu gekommen ist, das kannst du jetzt erlesen! 🙂

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Vorgeschichte

Alex hatte in Berlin ein kleines Waterloo erlebt. Seine leicht angeschlagene Wade hatte einfach kein Einsehen und hatte ihn bei seinem Angriff auf die Bestzeit ausgebremst. Ausstieg bei KM 31 und Frustration ohne Ende. So konnte das der Alex nicht hinnehmen, nein das ging nicht.

Um diese bittere Pille verdauen zu können, wurde umgehend ein neuer Plan geschmiedet. Sollte die Wade innerhalb der nächsten 10 tage mitspielen und er das Gefühl haben, dass es sich für München zu 90% ausgehen könnte, dann muss München für die Schmach von Berlin herhalten. 🙂

Nun war da auch noch der meine einer, der ja bekanntlich in Berlin nicht ganz sein Letztes Hemd gegeben hatte. Spontan habe ich dem Alex für den Fall, dass er in München antritt, meine Unterstützung auf der M-Distanz zugesagt. Ich fühlte mich einfach zu gut, um jetzt nix zu tun. Aber nach diesem emotionalen Zugeständnis kamen doch einige Zweifel auf. 😦

Etliche Ratschläge meiner Laufkollegen aus dem Greif-Blog als auch aus meiner unmittelbaren Umgebung wurden eingeholt, wie sie so etwas sehen, wie sie dazu stehen. Ich würde die Resonanz dazu eher als negativ einstufen, denn das sind doch Belastungen, die ein gewisses Risiko mit sich führen. Viele Zweifel haben sich da aufgetan, andererseits aber mein Gefühl, mein Körpergefühl, das mir sagte, he das geht, du bist nicht so down, dass du nur die Füße hochlagern sollst! 😉

Auch der Alex hat natürlich und verständlich geschürt und mir viele logische und positive Ratschläge und Argumente geliefert. Aber nachdem ich mich bei meinem Guru, dem Peter Greif, rückversichert hatte, war meine „unumstößliche“ Entscheidung gefallen! Ich laufe nur den HM und nicht den ganzen Marathon!

Alex war natürlich Sportsmann genug und es war für ihn voll OK. Meine Unterstützung bis zur HM-Marke, die hatte er zu 100%, das war gebombt.

Zwischenspiel

Nun galt es, meine ganze Aufmerksamkeit der Regeneration innerhalb dieser 14 Tage zu widmen. Nun, das viel mir nicht sonderlich schwer, die Regenerationseinheiten der ersten Woche waren ein Klacks und in der Zweiten war ich ohnehin auf Betriebsausflug in Krk. Die Schuhe zwar im Gepäck, aber dass sie zum Einsatz kommen, das war mehr als zweifelhaft. Und so war es auch, eine einzige winzige TE war angesagt und die war auch nur dazu gut, das Essen und Trinken ein wenig zu rechtfertigen! 😉

Dem Alex erging es recht gut, sein Wadl hatte sich besser aufgeführt als erwartet und die Wahrscheinlichkeit in München zu starten wuchs von Tag zu Tag.

Donnerstag dann der Tag der Entscheidung. Der Anruf bei Alex stand an, etwas Nervenkitzel war das schon vorhanden. Als er an der Strippe war kam das ……. GOOOOOOOOOOO! Wir Starten!!!! 😉

So aber ein Problem war noch, der HM in München startet nicht gemeinsam mit den Marathonis. 😦 Sch…e, was tun? Klar war das wieder eine Bauchentscheidung, aber eine die ich eigentlich schon ganz am Anfang gefällt hatte. Mein Kommentar dazu, Alex ich melde zum Marathon und gehe mit dir zumindest bis HM. Und wenns noch a bissl weiter gut geht, dann eben um das Stück länger!

Das Problem der Anmeldung bzw Nachmeldung konnte ich durch Zufall ideal lösen. Karin, meiner Lauffreundin sei Dank!!! Sie war am Samstag vor dem Wettkampf in München auf der Marathonmesse und bot sich an, mich und wenn notwendig auch den Alex anzumelden!! 😉

KARIN, VIELEN DANK!

Somit war das gelöst.

Sonntag, 10.10.10

Samstag um 8°° war ich noch in Krk vor dem Hotel und bestieg den Luxusliner, der uns nach Tirol bringen wird. Da war meine Anspannung schon merklich, wie mir einige Mitreisende bestätigten. Mit dem Kopf war ich schon in München am Start. Alles drehte sich um die Gretchenfrage, was soll ich tun? Soll ich den ganzen M laufen, oder doch nur bis zur HM-Marke gehen und aussteigen? Oder soll ich solange mit Alex laufen bis ich das Tempo so richtig spüre und dann aussteigen und den Alex alleine die letzten harten KM laufen lassen?

Alles Fragen auf die ich keine Antworten wusste. Körperlich fühlte ich mich super, aber so ein Ding ist ein ganz anderes Kaliber, da lässt sich nichts im Vorfeld so ohne weiteres voraussagen.

Ich beschloss, meinen Instinkten zu folgen und dann die Entscheidung treffen, wenn sie getroffen werden muss. Und das war dann im Rennen und nicht schon 42,195 km zuvor! 🙂

Da wir ein paar Patienten mit Magen-/Darmproblemen mit hatten, die eine zügige Fahrt befürwortete, war ich schon um 18°° in Innsbruck. War mir auch nicht unrecht, so konnte ich meine Laufutensilien zusammenraffen und für die Fahrt früh morgens nach München herrichten.

Sonntag um 05:45 gings ab nach München. Treffpunkt war der Nachmeldeschalter in der Eventarena. Die Fahrt war vollkommen problemlos und um 07:40 stand ich am Parkplatz vor der besagten Hütte. Zeit genug mir noch ein wenig die übriggebliebenen Restposten auf der Messe anzusehen.

Da ich auch wusste, dass Andreas kommen würde, habe ich kurzerhand mit ihm Kontakt aufgenommen. Kurz darauf sind wir uns zum ersten mal über den Weg gelaufen. Großes Hallo war angesagt, echt super! 🙂

Auch Alex ließ nicht lange auf sich warten und dann war natürlich die Hölle los. Schon vor dem WK ein mords halligalli.

Kurz bevor der Startschuss fiel strebten wir zum Start, also auch wieder Alex like. 😉 Strategie ebenfalls, es gab keine!

Der Wettkampf

Als der Startschuss fiel strömten alle los, wir auch. Nur das Weiterkommen war etwas mühseliger als in Berlin, da die Straßenführung bei weitem nicht so großzügig ist wie eben in Berlin. Aber Alex passte das ganz gut, eben mal schauen wie es sich mit der Wade so anfühlt. Eine kleine Anspannung hatte ich da bei ihm schon bemerkt, aber wer kann sich das verdenken. Marathon im Allgemeinen ist schon eine Herausforderung, ganz zu schweigen unter solch Voraussetzungen. Aber sein Optimismus überstrahlte dann doch alles.

Ich selbst war top motiviert, alle Systeme liefen einwandfrei, das Wetter besser nicht hätte sein können. Herz was willst du mehr.

Nach dem anfänglichen Einlaufen steigerten wir dann doch ein wenig das Tempo. Alles lief ganz locker und leicht, die Wade von Alex verhielt sich ruhig. Sogar das Pinkeln, bei mir obligatorisch, konnte abgestimmt durchgeführt werden.

Bei den Getränkestationen habe ich versucht, mich dem Alex anzupassen. Ich bin einer, der immer im vollen Galopp das Getränk übernimmt, während der Alex sein Tempo reduziert und gemütlich und genüsslich die Säfte schlürft. So habe ich nach dem Trinken immer mein Tempo gedrosselt, um dann wieder als anzuziehen. Alex immer wie ein Schatten hinter mir her.

Das Tempo war ganz auf PB ausgerichtet und bereitete keinerlei Probleme.

Bei KM 17-18 dann die ersten negativen Andeutungen von Alex. Ich bin so verkrampft, die Wade zwickt ein wenig. Meinen Vorschlag, Tempo rauszunehmen, lehnte Alex vollkommen ab. Na gut, dann schauen wir halt mal. Ab Km 25-26, so genau weiß ich das nicht mehr, hat der Alex seinen Patienten wieder in den Griff bekommen. Es scheint so, dass sie kapituliert hatte. Gegen diesen übermächtigen Besitzer war kein Kraut gewachsen. 😉 Und bei mir stand es fest, ich laufe durch, nur ein totaler Zusammenbruch kann das verhindern und das fühlte ich, das wird nicht passieren.

Zu diesem Zeitpunkt liefen wir recht konstante Zeiten. Erst so ab KM 29-30 machten sich dann leichte mentale Verschleißerscheinungen bei Alex bemerkbar. Er sei zu verkrampft, zu wenig locker, er muss beissen. Klar musste er das, das musste ich auch, aber das ging nicht nur uns so. Trotz allem, wir waren nur auf der Überholspur, nur ganz vereinzelt waren da welche, die sich an uns vorbei schwindelten. Wobei da etliche wieder eingesammelt wurden.

Ganz bitter war es dann so ab KM 34-35. Kurz hatte Alex da einen mentalen Schockzustand. Wade OK, Beine verkrampft, Psyche angeschlagen. Sein Kommentar, lauf Christian, hol dir eine neue PB. Aber nix da, so war das nicht ausgemacht. Kurze aufmunternde Worte und der Alex war wieder auf Kurs.

Ich selbst hatte zwischen Km 37-39 mehrere kleine Ansätze eines Krampfes im linken Oberschenkel und glaubte auch schon, dass ich den Alex nun alleine die letzten KM lassen muss. Nur das wollte und konnte ich nicht akzeptieren! Schlagartig habe ich versucht, ganz nach Tarahumara Regeln, mir einen runderen Laufstil vorzustellen und umzusetzen, um die Belastungen besser zu verteilen. Und siehe da, es entspannte sich wieder und das war es dann auch schon. Das waren aber recht kritische Momente, zum Glück aber nur ganz kurze.

Der Zieleinlauf im Stadion war gewaltig und ein Fest, das seines Gleichen sucht. Hand in Hand die Hände in die Höhe gestreckt durch die Unterführung und nebeneinander jubelnd durch Ziel. Unbeschreiblich, ein tolles Feeling mit unglaublich viele Emotionen.

Die Freude von Alex über seine PB (3:21:58) und mir über den gemeinsamen Run war einmalig! ich war mächtig Stolz, dass es mir nach so kurzer Zeit ein weiteres mal gelungen ist, mit eine top Zeit durchs Ziel zu kommen. Die 3:21:59 waren der Lohn dafür. Als Zugpferd oder Hase denke ich war es ganz OK, das kann man gelten lassen! 😉

Den angebrochenen Nachmittag haben wir beiden dann noch genossen und das eine oder andere Bierchen gezwitschert!

Ich freue mich schon auf ein weiteres gemeinsames Geläff! 😉

MÜNCHEN WAR EINE REISE WERT!

G-Connect, Marathon München 10.10.2010

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