VCM 2011 – perfekt, perfekter, Bestzeit

17.04.2011, VCM – Vienna City Marathon, das war das Datum und das Ereignis auf das ich mich heuer im besonderen Maße ausgerichtet habe. Es soll ein Fest werden, mit Highligths gespickt und das nicht nur auf der Piste beim VCM in Wien, sondern auch abseits.

Beides ist nicht nur gelungen, beides war vom Feinsten. Nun aber schön der Reihe nach.

Begonnen hatte es ja schon am Freitag, dem Tag der Anreise zu meinem/unserem (auch für Markus) heurigem WK Großereignis. Recht früh ging es von Innsbruck aus los, um das Wochende in Wien auch kulturell etwas genießen zu können. Das erste Ereignis stand ja schon am Abend des 15.04.11 an.
Karten fürs Musical „Ich war noch niemals in New York“, waren schon rechtzeitig im Vorfeld besorgt und alle, meine Frau, meine Schwester, Schwager und Markus freuten sich schon darauf. Die Musik von Udo Jürgens, verpackt in ein Musical kann nur gut sein.

Zuvor aber war ja noch einiges zu erledigen, wollten wir nicht zu sehr unter Druck geraten. Da war zum Einen das Abholen der Startunterlagen und zum Zweiten ein Treffen mit meinem Laufkollegen „Andreas“ vom Greif Laufblog.

Auf der Marathonmesse war es dann wieder soweit, Andreas und ich konnten zumindest kurz einen Plausch zur Lage machen. Andreas ja etwas verunsichert, hat er doch erst sein Waterloo vor gut 14 Tagen überstanden und eine 3 wöchige Verletzungspause überstanden. Dementsprechend war seine Verunsicherung, aber er war zuversichtlich, trotzdem ein gutes Ergebnis abliefern zu können. Bin gespannt was dann raus kam! 🙂

Nach der Messe ging es zügig weiter, denn am Abend war ja Showtime angesagt. Punkt 19:30 ging es im Raimuntheater zur Sache und nach gut 3 Stunden waren alle hellauf begeistert. Eine Kurzweilige, schwungvolle Inszenierung eines musikalischen Lebenswerkes war aus, echt toll! 🙂

Am nächsten Tag war dann schon etwas mehr Spannung zu spüren, der Run vor dem Frühstück mit Markus war genau die richtige Dosierung um sich dementsprechend auf das Event einzustimmen. Die 4 km lockeres laufen mit einigen Steigerungen entlang der alten Donau, einfach Klasse! Das Frühstück hatte dann um so besser gemundet.

Nun war wieder etwas Kultur und Shopping angesagt. Ja ja, da werden wieder einige denken, wenig professionell, vor einem solchen WK noch shoppen zu gehen. Stimmt, aber als Amateur muss man halt das Eine oder Andere mal einen Kompromiss machen, um seine Betreuungsmannschaft bei Laune zu halten. 😉 Sie waren aber alle sehr verständnisvoll, denn nachdem wir müde Beine signalisierten, waren jegliche Kaufräusche vom Tisch, Ruhe und Entspannung waren wieder am Programm, schön! 🙂

Nach ordentlicher Nahrungsaufnahme ging es allerdings wieder weiter, der Ostermarkt in Schönbrunn musste noch gesehen werden. Nun ja, das ging auch noch, zumal ja ein wenig Training im „slowjogg“ nicht ganz falsch sein konnte. 😉
Auf dem Weg zurück ins Hotel lief uns dann auch noch Karin, meine/unsere Lauffreundin aus Innsbruck über den Weg. Sie wollte ja den HM laufen und war recht zuversichtlich, nach den letzten Schwierigkeiten wieder einen guten Lauf abliefern zu können.

Abends dann der Premium Chinese in unserer Hotelnähe, ein feines Lokal, super Küche, mehrfach ausgezeichnet. Anschließend dann noch eine kurze Lagebesprechung für den WK-Tag und ab ging es in die Kiste.

Sonntag, 17.04.2011

Der Tag war gekommen. 05:45 aus den Federn, Runderneuerung starten und dann ab zum Frühstück. Markus war schon an der Kaffeemaschine, der Platz reserviert und das Getränge noch nicht groß, fein.

Kurzes hi und dann recht aufgekratzter Smalltalk zwischen mir und Markus. Man merkte von Minute zu Minute, dass die Anspannung anstieg. Letzte Analysen, Pläne und Alternativen wurden durchgesprochen und eigentlich wieder verworfen. Wir waren zum absoluten Leiden bereit.

Dann kam noch die Karin zu uns dazu, kleine Augen und wie immer ein Lächen im Gesicht. Der Tag begann sehr gut! 🙂

Nun war das Wetter, die Temperaturen und der Wind ein Thema. Kurzer Griff zum Wetterhandy und auch das war, wie sollte es sein, perfekt vorausgesagt.

Nachdem nun das Hotel von Marathonis gestürmt wurde, haben wir noch eine Tischübergabe an unsere Familie und Betreuerstab durchgeführt, um uns dann zumindest noch für eine kurze Zeit zu entspannen. 30 Minuten auf dem Zimmer etwas entspannen, sich im Geiste auf den WK einzustellen, durchzugehen, das war uns wichtig.

Punkt 08:20 letzter Treff in der Hotelhalle und dann ging es ab in Richtung Startblock. Unzählige Läufer säumten schon die Waagramerstrasse, wärmten sich auf, führten ihre Rituale durch. Ein buntes Treiben, eine gewaltige Kulisse bei traumhaften Bedingungen. Selbst noch die Klamotten für das danach deponiert und los gings zum Startblock 2 (blau).

Wie üblich, die Nervosität zollte ihren Tribut, mehrfaches Entwässern war notwendig, um die Zeit bis zum Start zu überstehen.

Genau um 09:00 dann endlich das Startsignal. Anfangs bis zur Zeitnehmung noch im Schritt, aber an da ging die Post ab. Dieses mal aber war keine Zurückhaltung gegeben. Die Masse trängte von hinten nach vorne, da konnte man gar nicht langsamer beginnen. Mir war das gar nicht mal so unrecht, denn ich machte mir eh schon über mögliche Zeiten auf den ersten 5 km Gedanken. Zufrieden wäre ich  da schon mit einer 4:40 gewesen, so aber wurde es eine glatte 4:11min/km. Eine Pace die mir Angst machte, zugleich aber sowas von locker zu laufen war, dass es schon fast unheimlich war. Zudem kam diese auch noch mit einer Pinkelpause (ohne gehts bei mir einfach nicht) in der Praterallee zu stande.

Nur genau das war es was ich nicht so recht bedacht hatte.  In meinen Vorstellungen waren das KM-Zeiten, die nicht in mein Konzept gepasste hatten. Daher hieß es bremsen, bremsen um ja nicht zu sehr am Ende hin leiden zu müssen. Nur wie bremst man, wenn es wie geschmiert läuft? 😉

Gut habe ich mir gedacht, es geht so einfach dahin, lass es einfach mal passieren und wenn die ersten Anzeichen von Mühe kommen, dann nimm etwas an Fahrt raus. Ein wenig habe ich ich aber doch zurückgenommen, denn dieses Niveau, eine 4:11 – 4:15 min/km, ist nicht (noch nicht) meines.

Ich habe mir dann so eine 4:27 – 4:25 min/km vorerst vorgenommen, die ich eben gehen wollte und wenns schwerer werden sollte, eben noch ein zwei Sekunden langsamer. Vorgenommen habe ich mir ja nur eine 4:30 – 4:29 min/km und das waren eh schon sehr hochgesteckte Vorgaben. Andererseits wollte ich mich absolut nicht schonen und so wie in Berlin eine bessere Zeit verschenken.

Als ich mich dann so ab 10 km eingependelt hatte, das Gefühl aber immer noch sensationell war, einige Läuferinnen und Läufer mit mir bzw ich mit ihnen das Tempo so zwischen 4:20 und 4:25 min/km gegangen bin, da war klar, das wird heute DEIN Tag! 🙂

Schön stetig und ohne das Gefühl des überpacens konnte ich das Tempo sogar noch steigern und als ich dann bei der HM-Marke mit 1:32:05 durchgerauscht bin, meine Physe und meine Psyche immer noch Top waren, da war meine Angst vor den möglichen Konsequenzen völlig dahin. Ich fühlte mich so stark und ich wollte diese Mühen und diese vielen harten Trainingseinheiten mit einer für mich sensationellen Zeit belohnen. Ich war bereit dafür durch die Hölle zu gehen, dem iSH, wenn er sich melden würde, keine Chance zu geben.

Und so ging es weiter, immer konstant und das Tempo gehalten bzw auch mal kurz mit einer Zeit um die 3:03 geliebäugelt, doch da war dann doch wieder die Vernunft, die mich auf den richtigen Weg gebracht hatte. Die Stimmung war gegenüber 2009 eine ganz andere. Tausende Zuseher, die einem laut anfeuernd  entlang der Strecke eine unglaublich tolle Atmosphäre vermittelten, richtiges Gänsehautfeeling!

Impressionen

Diese Diashow benötigt JavaScript.

KM 30 waren passiert, immer noch keine Anzeichen von Erschöpfung, ich fühlte mich gut. Fast schon etwas unheimlich war es und der Gedanke daran, dass das sich irgendwann ändern könnte erschreckte mich gar nicht mal so. Ich war bereit diese Herausforderung anzunehmen und das greifbare Ziel, eine sub 3:10, erreichen zu können motivierte mich enorm.

KM 35 immer noch das selbe Bild, die Beine jetzt aber schon etwas schwerer, der Kopf aber in Topform. So gut sogar, dass ich in den schwierigen Passagen, den Anstiegen sogar etwas zu forcieren versuchte. Die Läufer, die mir schon seit gut 10 km entgegen kamen motivierten zusätzlich. Allerdings zeigten sich nun doch einige Verschleißerscheinungen, diese taktische Variante kostete doch einiges an Substanz.

KM 38 bis 40 sammelte ich Läufer um Läufer ein, teilweise richtige Tragödien, Qualen ohne Ende. Ich selbst konnte noch immer das Tempo zwischen 4:22 und 4:23 min/km  halten. Hier dachte ich dann, jetzt versuchs noch mal, riskier und hol dir eine 3:04:xx ab. OK, das habe ich dann nach nicht ganz einem KM abgebrochen, die kurzen aber knackigen Anstiege waren nicht geeignet jetzt noch was zu vergurken.

KM 42, die Menschenmassen waren gewaltig, das Endorphin schoss nur so in meine Venen, Adrenalin war ohne Ende zur Verfügung und meine Beine haben das kurze Intermezzo zwischen KM 40 und 42 gut weggesteckt. Somit stand einem ersten richtigen Zielsprint am roten Belag nichts mehr im Wege. Hoch die Beine und durch!

Ordentlich entkräftet, richtiggehend benebelt, berauscht und überglücklich durch das Erlebnis über diese 3:05:43 stand ich nun im Ziel. Zu erst konnte ich es gar nicht so recht glauben, war irgendwie Fassungslos, dass ich, ja ich zu so einer Leistung fähig war. Einer Leistung, die ich mir gar nie und nimmer zu erträumen gewagt hatte. Jetzt war sie Realität, unglaublich!

Dann die Metaille empfangen und ganz gespannt auf Markus wartend im Zielbereich ausgeharrt. Die offizielle Zeit war jetzt schon bei 3:18:xx und ich schaute gespannt auf alle Läufer die sich da dem Ziel näherten. Wo ist Markus? Wenn er die sub 3:20:xx schaffen will, dann wird es höchste Zeit.

Und da war er, der Markus. Ein breites Grinsen im Gesicht und beide wussten wir, DAS WAR UNSER TAG!

Markus ging mit der offiziellen Zeit von 3:17:52 durchs Ziel. Für mich sensationell, bedenke man, dass das nach Berlin 2010 erst sein zweiter Marathon war. Peter Greif machts möglich.

Die Freude bei unseren Begleitern war riesengroß und wurde gemeinsam gebührend gefeiert.

Advertisements