Ein Abschluss mit dem ich so nicht mehr gerechnet hatte! 😉

Frankfurtmarathon 2011

Wie aus den Artikeln zuvor rauszulesen war, hat sich seit dem 02.10.11 einiges getan. Dieser Tag war ergebnismäßig zufriedenstellend, jedoch wurde dieses mit einigen Schwierigkeiten erzielt. Eine vor Monaten durch Blödheit verursachte Verletzung hatte sich wieder gemeldet. Zumindest hatte dies so den Eindruck vermittelt und meine Stimmung und das darauffolgende Training ziemlich stark beeinflusst.

Der rasch zu Rate gezogene Physiofreund Hannes hatte zwar beruhigende Worte für mich über, aber so recht wollte und konnte ich auf Grund des Zustandes meines linken Oberschenkels daran nicht glaube. Wie auch immer, das Training wurde zurückgefahren, die Einheiten gekürzt und das Tempo rausgenommen. 😦

So ging es die nächsten 2 Wochen dahin, immer ein hin und her, mal besser, mal schlechter. Meine Ziele wurde gleichsam gedanklich und mental abgehakt und neu definiert. Frankfurt 2011 wird nicht mein Durchbruch in die Sphäre der 2:xx:yy Läufer werden, das stand für mich klar fest. Ja sogar an einer Nichtteilnahme hatte ich gedacht, dies aber nur ganz kurz, da mir Hannes immer wieder versicherte, das geht, lass dir und mir Zeit. Ja Zeit, genau das hatte ich eigentlich für dieses ehrgeizige Ziel natürlich nicht. Das war dann aber nicht mehr so schwer zu akzeptieren, denn mittlerweile hatte ich mich auf eine läuferische Stadtbesichtigung eingestellt und meinen Fokus ganz auf das Frühjahr 2012 in Wien verlegt.

Hannes hatte zwar nach einigen sehr schmerzvollen Therapieeinheiten den Punkt getroffen und eine Woche vor Frankfurt war ich sozusagen schmerzfrei. Diese rasche Besserung der Schmerzen im linken Oberschenkel speziell bei Tempoläufen haben mich nicht, noch nicht, von diesem Plan abrücken lassen. Ich wollte einfach nichts riskieren, um ja nicht das Frühjahr in Gefahr zu bringen.

So die Vorgeschichte zum FfM, jetzt geht’s zum Bericht.

Anreisetag war Freitag, der 28.10.2011 via Flieger. Aus unserer Sicht die bequemste, schnellste und auch billigste Variante. Das Hotel ganz in der Nähe des Start-/Zielgeländes erwies sich wiedermal als ausgezeichnete Wahl. Unser Programm für Freitag war schon fixiert, das heisst zuerst mal die Startnummer holen und kurz herumschnüffeln was es so Neues in Sachen Sport und Laufen gibt. Anschließend dann der Besuch im Kabarett „die Käs“ in dem Dieter Baumann Lustiges und Wahres über das Laufen in all seinen Facetten von sich gab eine gute Einstimmung auf die nächsten zwei Tage war.

Der Samstag stand dann klar im Zeichen von Stadtbesichtigung. Auch das ist immer ein Fixpunkt und gehört ebenso dazu wie der Event als solches. Am Abend gab es dann ein ganz tolles Treffen mit meinen Kumpels vom Greifblogg. Allesamt herzliche Typen mit ihren bezaubernden Frauen. Es war wiederum eine Freude euch wieder zu treffen bzw. einige (Rolf, MArtin, Jörg) neu kennen lernen zu dürfen! 🙂
Beim Italiener gleich am Ausgang der Messehalle gab es die obligatorische Vorwettkampfspeise, eine Pizza. Dort war natürlich unter Anderem auch die Taktik, die Ziele und überhaupt der Wettkampf Thema Nummer one !

Auf Grund meiner Vorgeschichte hatte ich im Vorfeld schon mal mit Martin, der nach Berlin seine PB-Zeit ein weiteres mal toppen wollte, Kontakt aufgenommen, um ihn dabei zu begleiten. Nun, je näher das Ereignis kam desto mehr wollte ich für Frankfurt noch herausholen. Martins 3:14 schienen mir machbar, jedoch im Hinterkopf hatte ich auch schon wieder den einen oder anderen Gedanken über mehr gesponnen. Wie gesagt, oberstes Ziel war verletzungsfrei die 42,2 km zu bewältigen, alles Andere war Zugabe.

Die Nacht vor dem Start verlief ruhig und mit viel gesunden Schlaf, konnte doch durch die Umstellung der Zeit eine Stunde länger gepennt werden. Das Frühstück dann um 7°° entwickelte sich zu einem netten Plausch mit anderen Marathonis. Ein 69zig jähriger Dresdner war auf dem Weg seinen 88zigsten !!! Marathon zu bestreiten. Anschließend kramte ich noch meine letzten Utensilien zusammen und verweilte noch ein wenig zum Meditieren auf dem Zimmer und zog mir eine kurze Zusammenfassung des letztjährigen Marathons via TV rein. Uns als dann der Herbert, der Steffny sagte, wer es heute nicht versucht, der ist selbst Schuld, dem kann nicht mehr geholfen werden. Bessere Bedingungen sind selten zu finden.

Das traf mich dann wie der Blitz. Klar doch, wenn nicht nun wann dann! Ich wusste, meine Vorbereitung war gut, wenn auch die letzten 3 Wochen und die ausgefallenen 35er mit EBs nicht gemacht werden konnten. Die Entscheidung habe ich dann innerhalb einer Minute gefällt, ich werde riskieren. Sollte es mit meinem Oberschenkel funktionieren, so kann ich nur gewinnen und wenig verlieren. Die 3:05 von Wien stehen, sollte es mir nicht gelingen diese zu verbessern, so macht das auch nichts.

Mit diesen Gedanken und einer kurzen Verabschiedung meiner drei Begleiter machte ich mich auf den Weg zum Start. Die Atmosphäre rund um das Startgelände war riesig, die Läufer, auch die absolute Elite Schulter an Schulter mit dir beim Aufwärmen, das war einmalig, das gab nochmals einen Motivationssschub.

Da ich aus dem ersten Block starten durfte war ich hautnah an der Elite dran und somit der Startvorgang sehr gut zu meistern. Keine Hindernisse die einem das Vorankommen erschweren konnten standen im Weg, ich kam gleich in den Rhythmus. Eine tolle Kulisse erwartete uns auf der Strecke, die Stimmung grandios und mein Gefühl ebenfalls. Speziell auf den ersten Kilometern war ich extrem Wachsam, um ja nicht das eine oder andere Signal zu übersehen, um ja nicht durch das Wettkampffieber etwas zu ignorieren. Aber wie durch ein Wunder, danke Hannes das war eine Meisterleistung, vollkommen schmerzfrei und keinerlei Anzeige von nur irgend etwas! 🙂

Somit ging es in einem sehr flotten Tempo dahin, etwas zu forsch, denn ich hatte in der Aufregung ganz übersehen, dass meine Garmin mit dem Empfang etwas Schwierigkeiten hatte. So war es dann auch, dass ich statt der angepeilten 4:15/km eine 4:08/km nach den ersten 5 km drauf hatte. Gleichsam stieg ich auf die Bremse, etwas weniger durfte es schon sein. Vorgenommen hatte ich mir jeweils zwei HM unter 1:30:xy.

So ging es dann stetig dahin, angefeuert durch die Zuseher und motiviert durch andere Mitstreiter. Irritierend war leider die Ungewissheit über meinen wirklichen KM-Schnitt, denn das was meine Garmin zeigte war nicht das was ich wirklich unterwegs war. Ein ständiges Kopfrechnen war angesagt. 😉

An der HM-Marke bei 21,1 km war ich aber zufrieden, 1:28:32 zeigte die Uhr und das war genau das was ich wollte, unter 1:30! Alles Systeme funktionierten klaglos, so gut, dass mir mein Bein gar nicht mehr in den Sinn kam. Vielmehr hatte ich jetzt ganz klar die 2:59:xy im Visier. Klar war mir aber schon, dass das ein riskantes Unterfangen war, dass ich da mich auf dünnes Eis begebe, doch das entsprach ganz meiner Einstellung zum Sport. So ging es KM um KM dahin, auch einiges Leid konnte man mit jedem KM mehr sehen, hören und miterleben. Manchesmal frägt man sich da schon, wo nehmen einige Läufer den Mut her, sich so einer Herausforderung hinzugeben!

Mir selbst lief es gut, mitlerweilen waren schon gut 30 km niedergemacht und weiterhin keine Beschwerden im Oberschenkel, der Kopf auch noch recht gut bei der Sache, das Tempo konnte gut und ohne zu überpacen gehalten werden, also alles im grünen Bereich Richtung 2:59. KM 33, 34, 35, 36, 37 und auch noch 38 konnte ich voll draufhalten, wobei ich aber jetzt schon Verschleisserscheinungen gespürt habe. Die Beinmuskulatur wurde speziell in den Waden immer härter, der Lauf war nicht mehr so rund und der Kopf wurde müde. Der Blick auf die Uhr aber sagte mir, dass noch die Sensation für mich lebt, ich noch im Rennen auf die 2:59 dabei bin.
Jetzt begann das ständige Rechnen, da die Uhr zwar einen Anhaltspunkt lieferte, aber weit weg von der Realität war. Nun merkte ich aber ganz deutlich, dass die Ermüdung doch schon weiter fortgeschritten war als ich gehofft und geglaubt hatte. Ich spürte ganz deutlich, dass meine mentale Stärke, meine ansonsten doch recht ausgeprägte Härte zu mir, angeschlagen war. Immer öfter zweifelte ich an das fast Greifbare.

KM 40, die Uhr stand bei 2:50:51, der KM-Schnitt für die letzten 5 km war auf 4:34 gesunken und noch, nur mehr 2,195 km zu laufen. Das ginge noch, das heisst beissen und minimum mit einer 4:20 diese Restdistanz zertreten! Ha, leicht gesagt, ich war mental und auch letztlich physisch nicht mehr in der Lage das zu bringen. Jeder Meter den ich lief wurde schwerer und die Gewissheit, dass ich nicht mehr zusetzen konnte nagte gab mir den Rest. Bei gut 39 KM habe ich dann endgültig die sub 3:00 aufgegeben und mich mit dem Erreichten, eine Verbesserung der alten PB aus Wien, zufrieden gegeben.

Im Ziel stand dann das Ausmaß fest. Ich konnte meine PB um fast 4 1/2 Minuten auf 3:01:25 verbessern. 🙂

Wenn ich jetzt mit ein wenig Abstand diesen Wettkampf betrachte, mir die ganze Vorbereitung vor Augen führe, so darf ich nur hoch zufrieden sein, dankbar sein, dass ich so ein Rennen machen durfte. Vor 3 Wochen hätte ich das für unmöglich gehalten, für nicht machbar!
Und es zeigt wieder mal, dass ich den richtigen Weg gegangen bin, dass ich meine Vorbereitung mit PG gemeinsam besser nicht machen konnte, dass mein Ziel die 3 Stunden zu knacken kein Traum bleiben wird, dass ich das Potential dazu besitze. Ist für einen 56 jährigen Knaben nicht so selbstverständlich! 😉

Somit ist das Laufjahr 2012 wieder eine spannende Angelegenheit und wiederum eine Herausforderung der Sonderklasse!

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