Wien immer eine Reise wert!

Entschädigung für die vielen Schweissperlen

Dieser Marathon ist wieder ein ganz besonderer gewesen.
Nicht nur, dass ich zu Beginn des Jahres mit einigen gesundheitlichen  Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, sondern das Erlebnis mit meinen Lauffreunden aus der Greif-Gemeinde, das Treffen von laufbegeisterten Greifianern, Wien selbst, das jedesmal wieder seinen Zauber ausübt und natürlich der Marathon selbst. Sicher ein Marathon, der in Europa zu einen der schönsten zählt, der eine atmosphäre der Superlative ausstrahlt, der Seltenheiswert besitzt.

Begonnen hat es für mich am Freitag mit der Anreise. Ein recht hektischer Tag, da wir erst um 11°° von Innsbruck weggekommen sind und wir für diesen Tag doch noch einiges in Wien zu erledigen bzw geplant hatten. Nach dem Eintreffen in Wien ging es direkt zur Startnummernausgabe.Startnummernausgabe Dort herrschte schon ein hektisches Treiben, aber zum Glück konnten wir dieses Kapitel, zu meinem Leidwesen :-(, recht flott hinter uns bringen. Musste so sein, denn es musste noch das Hotel erobert, die vorreservierten Karten für das Kabarett am Abend abgeholt werden und etwas zum Essen waren auch noch unter zu bringen. Daher ein dichtes Programm, aber Organisation ist das halbe Leben! 🙂

Der Samstag dann als Höhepunkt das Abendessen mit meinen Laufkumpels aus Deutschland, den Jörg, Lars, Lutz und Martin mit Ihren Frauen und Kindern, sowie wir aus Innsbruck, Markus mit Familie, Schwager Paul mit meinem Schwesterchen Veronika und meine Frau Eveline. Heuer mal nicht traditionell das Pizzaessen, sondern der beste Chinese weit und breit. Ein Erlebnis das in Erinnerung bleibt! 🙂

Sonntag, der Tag des Marathon

Wetter verhieß nicht berauschende Temperaturen, etwas Wind und wenig bis keinen Regen (Schauer). Und so war es dann fast. Fast nur deshalb, weil da und dort der Wind doch etwas mehr bließ wie einem vielleicht lieb war. Zum Glück nur böig und nicht permanent konstant. Bei den Temperaturen hat es mir ganz gut gepasst, jedoch ein, zwei Grad wärmer wäre mir auch egal gewesen! 😉

Morgens um 0630 beim Frühstück, alle Jungs vollzählig und gut ausgeschlafen am Tisch und alle guter Dinge. Wenngleich doch ein wenig Anspannung zu bemerken war. Nur das ist auch ganz klar und nur logisch, wer sich auf das Abenteuer Marathon aufmacht, der weiss auch, dass das immer eine Herausforderung der besonderen Art ist und deren Ausgang nicht schon an der Startlinie feststeht.

Zudem möchte ich einen Kommetar aus einer großen Tageszeitung zum Wienmarathon festhalten, der die Bedeutung der Zeiten und Leistungen jedes Teilnehmers, insbesondere der Greifianer, doch ein wenig mehr strahlen lässt! 🙂

Gestern kam der Sieger Henry Sugut in 2:06:58 ins Ziel. Eine ungewöhnlich schnelle Zeit für die langsame Strecke in Wien, wo Wind und anhaltende Steigungsunterschiede eine Herausforderung darstellen.

Das Rennen

Gemeinsam, ausser Jörg, ging es zur Kleiderabgabe und dann in Richtung Startblock. Der Fokus war nun ganz auf Rennmodus gestellt, für mich klar, ich werde die sub 3:00 angehen, der Fahrplan war ganz danach ausgerichtet. Diszipliniertes Laufen war angesagt und ganz egal was der Körper anfangs signalisiert, es wird eingehalten. Zumindest so gut es geht. Eine mentale Herausforderung war es schon am Start, noch bevor ich einen Renn-KM gelaufen war. Zuviel Fragen hatten sich in den letzten Wochen angesammelt. Doch meine Entscheidung stand und dieser war ich bereit mich zu stellen.

Los ging es um Punkt 0900, nachdem zuvor das Race zwischen Paula und Haile gestartet und kurz danach die Elite losgelassen wurde. Der Beginn war recht unspektakulär, ich hatte im schnellsten Block eine gute Standposition und konnte recht frei loslaufen, ohne große Behinderungen. Das von mir gewählte Tempo für die ersten 15 km somit gleich erreichen.

Der Plan war in drei Abschnitte aufgeteilt.

  1. 0-15 km in 4:17 min/km
  2. 16-25 in 4:10 min/km
  3. 26-42,2 in 4:14 min/km
Ich kam sofort super in Tritt, hatte gleich ein sehr gutes Gefühl, lief locker und fühlte mich ausgezeichnet. Die Stimmung ist einfach gradios, einmalig, unglaublich. Man wird da auf eine Teppich von Emotionen dahingetragen, auf diesen man nur so dahin schwebt. Als nach …? KM plötzlich Jörg neben mir auftauchte war die Läuferwelt noch schöner. Jörg und ich waren uns gleich einig, wir gehen das Ganze gemeinsam an und versuchen uns gegenseitig zu pushen.

Dahin ging es wie nichts, beide spulten wir KM für KM ab, allerdings laut meiner Uhr etwas zu schnell, es waren für den ersten Abschnitt eine 4:14/4:15. Nur da zu bremsen, das macht keiner und somit blieben wir drauf und behielten das Tempo bei. Beim Wechsel in die Phase zwei hatte ich das erste mal bemerkt, dass mein Garmin und die offiziellen Km-Angaben nicht ganz zusammen stimmten. Meine Uhr signalisierte mir schon ca. 40/50 m vor der 15 km Marke den Wechsel auf eine 4:10. Nur das nahm ich zwar zur Kenntnis, eine gewisse Abweichung kann, wird es immer geben, nur solange sie sich in Grenzen hält kein Problem und zudem waren wir mit einer 4:14 diesen Abschnitt gelaufen, was mich wieder beruhigte. Beruhigt war ich auch, dass alle meine System perfekt funktionierten, das Körpergefühl 1A war und ich auch das von Jörg so wahr nahm.

Nun galt es die Raketenstufe zwei zu zünden. Eine 4:10 auf die nächsten 10 km waren zu bringen. Sollte, und das war eventuell der Hahnenfuss dabei, auf dem schnellsten Streckenabschnitt kein all zu großes Problem darstellen. Die Steigerung von 4:14 auf 4:10 ging recht unspektakulär von sich, das ist eigentlich ein kaum merkbares mehr an Aufwand, zudem auch noch etwas begünstigt durch die gelegentliche Tiefenmeter. Schnell aber war klar ersichtlich, upps, nicht 4:10 sondern 4:05/4:06 stand auf der Uhr. Kurze Mitteilung an Jörg, he 4:05/4:06, die er mit „verrückt“ abgetan hat, aber auch keine Anstalten machte etwas auf die Bremse zu treten.

Ja es lief einfach „zu“ gut. 😉

In meiner Gedankenwelt spielten sich schon einige Varianten ab. Ich fühlte mich stark, ich spürte viel Energie, aber ich hatte auch etwas Angst, dass das was derzeit abging doch etwas zu ambitioniert war. Nur sagte ich mir, du bist jetzt in dem Bereich wo du dich nur mehr auf einen schmalen Pfad bewegst und es immer eine Gratwanderung darstellt. Jetzt ist es an der Zeit diese Extreme anzugehen und anzunehmen, egal wie es dann auch enden wird. Die Elite erlebt dies fast tagtäglich, ohne dies wäre keine weitere Steigerung mehr möglich.

Somit war bremsen kein Thema, wir marschierten dahin, viele, viele Läufer wurden förmlich überrannt. Es war schon beeindruckend und das Publikum, die Musik die einem so richtig nach vorne peitschte, ließen Gänsehaut entstehen. 🙂

An unserer zeitlichen Performance hatte sich nichts geändert, wir radierten mit einer 4:06 min/km dahin und die Zeichen waren unverändert. Jetzt kurz vor dem Wechsel auf Stufe drei hatte ich wieder ein etwas ungutes Gefühl, die Differenz zwischen offizieller KM-Markierung und meiner Aufzeichnung stimmte weiterhin nicht, hatte sich sogar etwas vergrößert. Aber laut meiner Einschätzung waren es etwa 70/80 m, also aufgrund des schnellen Tempos sollte das keine all zu  großen Auswirkungen haben. Zeitlich hatten wir ja eine Polster und den hatten wir noch nicht ausgereizt. Der Abschnitt stand bei mir mit einer 4:06 zu buche, somit voll im Plan und top auf  Kurs.

Jetzt beginnt der Marathon hatte ich noch zu Jörg gesagt und wie recht ich behalten sollte. Jetzt ging es in Richtung Hauptallee mit Wendepunkt Lusthaus hinaus, dh lange Geraden, lässtige Böen.

Auf meiner Uhr waren wunderbare 4:12/4:13 abzulesen und das gab Kraft bei immer mehr schwindender Substanz. Nanonanet, alles Andere wäre ein Schwachsinn und unrealistisch, wenn man sich solche Ziele setzt und am letzte Zacken, am Limit laufen muss. Trotzdem hatte ich ein gutes Gefühl, gut der eine oder andere Muskel machte sich schon leicht bemerkbar, aber nicht wirklich dramatisch.

Jörg hatte zu diesem Zeitpunkt etwas an Tempo zugelegt, dem ich nicht ganz folgen wollte bzw das Gefühl hatte, das ist mir zuviel. Er riss ein kleines Loch von 30/40 m auf, hängte sich an einen Belgier (wie sich im Ziel herausstellte) an. Ich lief mein Tempo, immer fokusiert im Rahmen der Vorgabe zu bleiben. Nur eines war dort draußen sonnenklar, jetzt wird es richtig harte Läuferarbeit, jetzt muss ich alles geben. Jörg war immer in Sichtweite und das war für mich auch ein Kriterium, dass der Kurs passt. Ab der Wende beim Lusthaus wurde es dann aber ganz schwierig. Der Wind wurde böiger, zumindest hatte ich so den Eindruck, die Muskeln hart-härter-steinhart und schmerzten um die Wette, zudem die Strecke zunehmend schwieriger. Jetzt kamen die Passagen, die im angeschlagenem Zustand besonders schmerzen. Viele anhaltende Steigungen gehen, wenn man das Tempo halten will, voll auf die Substanz. Das tat Weh, da konnten auch die anschließenden kurzen Abwärtspassagen nicht viel daran ändern. Das war absolutes Limit.

Und wie sollte es auch anders sein, der iSH musste auch noch seinen Senf abgeben. Nur den hatte ich zum Glück recht gut im Griff, vielleicht aus deshalb, weil ich absolut auf der letzten Rille unterwegs war. Da blieb nicht mehr viel Sauerstoff für das Gehirn über. Zudem hatte ich das auf die Uhr schauen aufgegeben, ich wollte nur noch Kämpfen und nicht womöglich Zündstoff für diesen unangenehmen Knaben liefern.

Bei KM 38 merkte ich, dass Jörg, der noch immer in Sichtweite war, näher kam. Oha dachte ich, da gab es eine Krise. Das war noch mal ein Kick, der mich etwas forcieren ließ. Und siehe da, er kam langsam aber stetig näher. Bei KM 40 waren es vielleicht noch 10/15 m und ich dachte mir, vielleicht kannst du noch aufschließen und mit ihm durchs Ziel. Am roten Teppich dann meine allerletzten Reserven mobilisiert um auf der Ziellinie neben Jörg eine Bauchlandung zu machen. 😦 Ich blieb durch die Ermüdung mit meinem rechten Bein am Teppich hängen und hätte beinahe Jörg noch mitgenommen. Ergebnis dieser Einlage sind Abschürfungen am Knie links, eine riesen Abschürfung auf der rechten Schulter durch das Abrollen und was besonders schmerzt ist, dass ich mir den rechten Ringfinger so geprellt, gestaucht oder womöglich gar gebrochen habe. Genaueres wird sich erst in den nächsten Tagen herausstellen. Somit kann ich von mir nicht behaupten, ich hätte nicht alles gegeben!

Im Ziel dann die Ernüchterung, es hat gerade nicht gereicht. 😦 Allerdings und das macht mich sehr stolz und glücklich, es wurde eine neue PB und das mit der Vorgeschichte und auf einer schwierigen Strecke auch noch.

Ich freue mich auch deshalb so, weil ich das erste mal in meiner Laufkarriere absolut alles gegeben habe, große Schwerzen während des WK und auch jetzt (ich kann kaum gehen, ansonsten geht es mir sehr gut) ertragen musste, jegliche Reserven mobilisiert habe. Das war definitiv das schwerste Rennen das ich gelaufen bin und dass Ergebnis versöhnt mich mit dem Jahresbeginn, macht mich zufrieden, sehr zufrieden.

Das Ergebnis im Detail

Startnummer: 4086
Bruttozeit: 3:01:17
Nettozeit: 3:01:00 (PB)
Gesamtrang:285
5 . Rang in der Klasse M-55 (International)
2. Rang in der Klasse M-55 (National) 

Aber ich denke, auch Jörg, bei Markus weiss ich es, auch bei diesen Jungs hat dieser WK seine Spuren hinterlassen, auch die haben alles gegeben was sie geben konnten.  

Ganz besonders gratulieren möchte ich meinem Lauffreund Markus, der ein grandioses Rennen gelaufen ist, der wie er mir versicherte, alles gegeben hat und dafür auch seinen Lohn bekommen hat. Seine alte PB um gut 6 Minuten pulverisiert und diese auf 3:11:37 gedrückt! 🙂 Und das erst bei seinem 3. Marathon!

Markus du bist echt ein Hund, ich gratuliere dir von ganzen Herzen. Super, Spitze, gewaltig!

Auch Jörg, der mir zwar etwas enttäuscht vorgekommen ist, aber auch Jörg lief für meine Begriffe ein irres Rennen und konnte seine PB ebenfalls um gut 6 Minuten verbessern, auf spitzenmäßige 3:00:52. Auch für dich gilt das was ich zuvor bei Markus geschrieben habe, erste Klasse.

Martin mit neuer PB von 3:15:14 gewaltig gelaufen, Lars wiedererstarkt, nach 5 jähriger Durststrecke und zuletzt Lutz, der gebeutelt durch viele Verletzungen jetzt wieder unter uns weilt. Er begleitete Martin und Lars bei ihrem Run und zeigte dadurch, dass er, so wie es aussieht, wieder der Alte ist! Gratuliere!

Abschließend möchte ich nochmals sagen, es war mir eine Ehre und Freude, mit euch diesen WK zulaufen. Danke! 🙂

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