Welch Privileg

Welch Gnade!

Gestern ging es wieder etwas weiter, etwas länger, etwas an „mehr“ war zu laufen. Das Wetter  ein Traum, beste Bedingungen um ein Läuferherz höher schlagen zu lassen. Gestern war aber auch so ein Tag, wo nicht nur Läufer oder Jogger dies ausgiebig nutzten, auch sonst waren jede Menge Leute unterwegs.

Gestern war aber auch so ein Tag, an dem mir wieder mal bewusst wurde welch Privileg ich habe.

Losgelaufen bin ich, um diese 25 km und die eingeplanten 2 Stunden so richtig zu genießen, 2 Stunden um die Zeit zu nutzen, um auszuspannen, die Musik in meinen Ohren klingen zu lassen und den ersten Stein am Bauwerk VCM 2013 zu setzen.

Vielleicht war ich inspiriert durch Martin’s Beitrag, sicher aber war ich dadurch etwas nachdenklicher gestimmt.

Welch Privileg!

Ja, dieser Gedanke kam mir sehr schnell. Locker laufend bog ich auf die Meile der Spaziergeher, die sich an diesem prächtigen Tag zu Hauf tummelten. Vorbei an ihnen, Gedankenversunken aber wachen Auges saugte ich alles Treiben rings um mich herum auf.

Alte Leute schleppten sich kleinen Schrittes voran, teils mit Spazierstock, teils gestützt durch Angehörige oder Bekannte, vorbei ging es an schwer schnaufenden Menschen mit ungläubigen Ausdruck, die nicht verstehen können, wie man sich mit solch einem Tempo quälen muss und vorbei an Menschen die das Schicksal schwer getroffen hat. Diesen sogar das langsame Dahinschleppen, das mühevolle Gehen mit Stock oder Rollator nicht mehr möglich war, die geschoben wurden, oder sich selbst antreibend mühevoll dem Weg entlang mühten!

Welch Privileg schoss es mir durch den Kopf, mit welchem Privileg bin ich gesegnet. Ich, der alte ergeizige Mann mit seinen 57 Jahren darf sich mit soviel Energie und Gesundheit glücklich schätzen.

Welch Privileg darf ich genießen und erfahren.

Hier auf diesem Weg, auf diesen Metern und Kilometern wurde mir wieder mal eindrücklich klar gemacht, dass es nicht selbstverständlich ist, sich so zu fühlen, sich so zu bewegen und sich so mit der Natur im Einklang fühlen zu dürfen.

Zeit? Was ist Zeit?
Ist es nicht nebensächlich, ob schnell oder langsam, ob Erster oder Letzter?
Ist es eigentlich nicht lächerlich, wenn man sich wegen einer Sekunde über die verpasste Bestzeit ärgert?

Ist es nicht dumm, wenn man glaubt, dass alles dies selbstverständlich ist?

Ja ist es, es ist dumm.

Nach diesem Lauf, nach diesen Eindrücken und Gefühlen, bin ich sehr glücklich und zutiefst dankbar, dass mir dieses Privileg, diese Gnade zugeteilt wurde.

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