Trainingsprotokoll – Tag 44

Der Weg nach Wien führt über Rodgau

Trainingsintensität Bedeutung, Erklärung
WK … Wettkampf Da gibt es keine Vorgabe, die Tagesverfassung ist die Vorgabe!

Trainingseinheit
Wettkampf Ultramarathon

Anmerkung
Mein erster Ultramarathon und das gleich bei extrem schwierigen Bedingungen. Es war ein langer, anstrengender, aber sehr schöner Tag.

Am Ende des Berichtes gibt es noch ein paar Impressionen vom Lauf.

Mental, Physisch
Begonnen hat das Abenteuer um 05:30 MEZ, also zu einer Zeit wo Normalos noch im Bett liegen und an der Matratze horchen. Wir, die sogenannten „Bekloppten“ federten aus dem warmen Daunen und zwängten uns in die Laufklamotten. Zuvor gab es aber bei Lars und seiner entzückenden Frau Katrin ein feudales Ultra Marathon Frühstück der Extraklasse. Sogar legales ? Doping wurde kredenzt, Honig aus eigener Erzeugung. Hmm, mann oh mann, wer da nicht auf touren kommt, der kann sich gleich eingraben! 😉

Nach so einem Auftakt war schon mal die Sorge über Länge der Strecke, Beschaffenheit und vor allem der Außentemperatur nicht mehr so groß. Trotz allem habe ich mich für die Maximalvariante, Transtex+zwei Langarmshirts+Jacke und einer 3/4 Hose+langer Hose, unterstützt durch CEP Kompressionsstutzen+kurzem zweiten Paar Laufsocken, 2 Paar Handschuhe+Mütze, entschieden. Als Sohle habe ich mich gegen den Saucony Fastwich 5 und für den Brooks Green Silence, was eventuell keine optimale Entscheidung gewesen war. Aber im Vorfeld hatte ich das Gefühl, dass auf die 50 km der Green Silence die bessere Wahl ist. Im Nachhinein betrachtet wäre der Fastwich 5 durch besseren Grip der idealere Schuh gewesen, aber was soll’s, das ist Vergangenheit.

Also so bewaffnet fuhren wir dann mit Lars als Läufer und Chauffeure zum Lutz, denn dort war um 08:00 MEZ Treffpunkt. Musste doch noch gut 1 1/2 Stunden nach Rodgau gefahren werden. Dort angekommen erwarteten uns eisige Kälte, zum Glück wenig Wind und eine schneebedeckte Piste. 😦 Gleich ging es zum Startnummern holen, und zusammentreffen in der Halle mit dem Rest der Truppe. Jörg, Martin aus Altrip (kurz MaA) und Martin aus Langen  (kurz MaL) stießen noch dazu. In dieser warmen Stube konnten wir noch den Hauch der Ultrasszene einsaugen, Gespräche führen und unseren Neuen in der Runde, den MaL, in der Runde begrüßen.

Dann endlich durfte ich raus, schön langsam stieg das WK-Fieber an, der leicht „blutige Geschmack“ im Mund, wenn das Adrenalin einfährt, war schon zu spüren. Das ist immer ein gutes Zeichen, denn dann bin ich so richtig auf Touren. 🙂 Der Lutz kennt das auch, durch ihn konnte ich erst diesen Geschmack verifizieren! Zuvor dachte ich immer, ich habe Zahnfleischbluten. 🙂

Der Wettkampf
Noch bevor es pünktlich um 10:00 MEZ los ging, lieferte unser Unikum Alex noch eine perfekte Jodleinlage via Mikro ab. Das machte schon mal Stimmung und so konnten ca. 2000 Beine sich auf den Weg machen, um 50 km oder eben zumindest Teile davon in den Boden zu stampfen. Boden ist gut, denn den gab es nur genau 2 km lang, danach war Schneepiste angesagt. Diese war zwar in der ersten Runde noch OK, rutschig war sie immer, aber nachdem diese Anzahl von Beinen den Untergrund aufgewühlt hatten, war es weniger lustig und wurde mit zunehmenden Rennverlauf zu einer echten zusätzlichen Herausforderung. Nützt aber alles nix, das Wetter und die Bedingungen kann man nicht beeinflussen, man(n) kann nur zu Hause bleiben und Sport vor dem Fernseher betreiben, nur das liegt mir nicht. 🙂

Die erste Runde war mal für mich eine Orientierungsrunde, heißt soviel wie, wie verläuft die Strecke, wie schaut es mit dem Profil aus (ca. 400 HM auf die 50 km) und vor allem ganz wichtig, wie fühle ich mich! Und genau dieser letzte Punkt war schon mal ein Garant, denn ich fühlte mich hervorragend. Gut 5 km von 50 km sagen nichts aus, aber irgendwie spürt man gleich, ob und wie man drauf ist. Ich war gut drauf, meine mentale Auseinandersetzung mit dieser Strecke hat Früchte getragen. Ich versuche immer mir die Herausforderungen zuvor schon zu verinnerlichen und mich auf das Bevorstehende psychisch vorzubereiten. Auch zeitliche Vorgaben und Möglichkeiten laufen bei mir, obwohl ich die Strecke nicht kenne/kannte wie in einem Film ab, ich laufe den WK schon Tage zuvor im Kopf.

Das hat sich irgendwie gelohnt und wahrscheinlich auch das ganze drumherum, also das ganze WE hier im hessischen hatte mich positiv beeinflusst, keine Frage. Und so gestärkt rollte es zuerst im Viererpack (Lutz, Jörg und Martin) dahin, bis dann Lutz das Tempo leicht anzog. Kurz habe ich überlegt ob ich mitgehen soll, aber habe mich dann dagegen entschieden, denn vom Gespür her wäre es kein Problem gewesen, nur zu so einem frühen Zeitpunkt wollte ich nicht forcieren. Mein Plan war ganz einfach, konstant, was bei diesen Bedingungen ohnehin schon fast unmöglich war, durch zu laufen und wenn geht die zweite Hälfte sogar etwas schneller zu sein. Also blieb ich zurück und schaute mir das Ganze mal an.

Überholt wurde ich zu diesem Zeitpunkt des Öfteren, nur das schenkte ich den Überholern, denn bei den meisten war mir klar, das geht nicht gut, die kommen mir wieder entgegen bzw. lassen es eben früher als ich. Jörg und Martin ließen abreißen, somit war ich alleine unterwegs. Die PG-Truppe hat sich aufgesplittet.

Lutz Lutz war mir zwar enteilt, aber interessanterweise nur geschätzte 50 – 80 m vor mir und dieser Abstand veränderte sich nicht. Als dann sich meine Blase langsam zu melden begann, dachte ich mir, versuch dich an Lutz ran zu arbeiten und wenn dran bist haust du dich ins Gebüsch. Und erstaunlicherweise ging das recht mühelos, ich konnte recht rasch die Lücke schließen, ja sogar den Punkt konnte ich bestimmen. Ich entschied mich für das Eintauchen in den Wald, dort wo der Schnee beginnt und wo es leicht bergauf geht. Denn da wird es für ihn schwieriger die Lücke zu mir zu groß zu machen. Ich wollte ihn ja als meinen Partner behalten und mich an ihm ausrichten.

Als es dann soweit war, gab ich kurz laut 😉 und merkte aber gleich, hui dem Lutz geht’s nicht so besonders. Sein Kommentar, das ist nichts für mein Knie. Ich dann ab ins Gebüsch und in Rekordzeit das Wasser entsorgt. Und noch etwas wurde mir klar, den Lutz werde ich als Laufpartner bei diesem Lauf verlieren. So war es dann auch, die Lücke die ich durch meinen Ausritt in die Natur aufriss, die konnte ich mühelos und rasch schließen, das kostete mich kaum Körner. Auf Augenhöhe hat er mir schon gleich signalisiert, dass er das Tempo nicht gehen kann und durch die Blume seinen Ausstieg angekündigt. Schade Lutz, ich denke, wir hätten gemeinsam noch einiges mehr erreichen können. So aber war ich nun endgültig alleine unterwegs. 😦

Ganz positiv war der Rennverlauf. So ab Mitte ging es los, ich merkte es zwar nicht direkt, aber meine KM-Zeiten waren immer besser und sehr motivierend, außer durch die wirklichen Raketen wurde ich nicht mehr überholt. Das waren nur mehr die Elite und der Rest wurde nun von mir eingesammelt. Unglaublich stabil konnte ich meine Schleife ziehen, auch die immer schwierigeren Bedingungen, Eisesglätte auf der Idealspur und Schneegries sobald man wechseln musste, konnten mir nichts anhaben. Ab der 7 – 8 Runde (zw. 35 – 40 km) habe ich mir gedacht, Alter das Ding bringst du jetzt aber ordentlich nach Hause, werde aber nicht übermütig.

Ich hatte bis dahin keine mentalen Engpässe und so blieb es bis zum Schluss, die Motivation jetzt nicht nur zu finishen, sonder nun auch die Zeit ein wenig im Auge zu behalten wurde Priorität. Zwischenzeitlich hatte ich auch Gelegenheit meine Kumpels abzuklatschen und weil es so gut lief auch zu überrunden. Kaum zu glauben, ich und überrunden. Dabei liefen die alle ein tolles Rennen, sagenhaft.

In der letzten Runde hatte ich eine fatale Eingebung, ich dachte, jetzt kannst du dir für die letzten KM und für den Endspurt ruhig mal etwas mehr gönnen als nur den warmen Tee, den ich im Laufen eh meistens mehr verschüttete als dass ich trinken konnte. 😉 Ich entschloss mich beim Verpflegungsstand kurz anzuhalten und ein Cola aufzunehmen. Es wurden nicht nur eines nein ich nahm zwei und trank diese. Saukalt waren sie und die Rechnung bekam ich innerhalb von wenigen Metern nach dem Anlaufen. Mein Magen fing an zu krampfen, mir lief es heiß und kalt gleichzeitig den Rücken runter. Nur habe ich sofort auf, du kannst mich mal, ich lasse mir nicht mehr die Butter vom Brot nehmen, umgeschaltet. So motiviert konnte ich diese kurze Schwächephase gut überstehen und so ab KM 47/48 war wieder alles beim alten, also bestens! 🙂

Die letzten zwei finalen KM wurden für mich zu einem Wechselbad der Gefühle. Auf dem letzten KM verschärfte ich nochmals das Tempo und war mehr als nur erfreut, dass das mein Körper recht willig bereitstellte. Sehr glücklich überquerte ich die Ziellinie und erfreute mich nicht nur meiner Zeit, sondern auch an der im Zielraum aufgestellten Verpflegung. Dass diese allerdings nicht so gut rüber kam war den Temperaturen geschuldet. Alles, Ausnahme der Tee, war eiskalt. Sogar die Riegel und die Schokolade waren zu Beton gefroren. 😦 Und das Bier, alkoholfrei, schmeckt bei diesen Temperaturen nicht so wirklich.
Ich wartete aber noch kurz auf Henrik, den ich zuvor überrunden konnte und der mir sagte, er höre bei 45 km auf, er ist vollkommen platt. Zwischenzeitlich konnte ich auch noch ein kurzes vorgezogenes Zielinterview mit Alex Alex  führen. Seine Analyse ergab noch ein wenig Bedenkzeit, er wollte das Event noch ein klein wenig auskosten. 🙂 Nachdem Henrik dann ins Ziel kam und sich erstmal ein wenig gestärkt hatte machten wir uns auf den Weg Richtung Halle, Umkleiden und vor allem Dusche. Mir und nicht nur mir fror der A…. ab, es hat mich nur so hin und her gebeutelt. Wenn es etwas zum Kritisieren gibt, dann ist es der nicht enden wollende Gang zur Dusche! 😦 OK, wenn die Bedingungen nicht so extrem gewesen wären, dann hätte das wahrscheinlich nicht zu Buche geschlagen. So aber habe ich innerlich ganz schön geflucht. Aber auch diese harten Meter habe ich gut überstanden und dafür die heiße Dusche ausgiebig genossen, herrlich so ein warmes Wasser! 🙂

Nach dem üblichen aber schönen Erlebnisaustausch mit meinen Freunden, wurde auch auf die Ergebnisliste geguckt. Und welch für mich sensationelles Ergebnis, beim ersten Antreten konnte ich mit Platz 4. in der AK 55 und im Gesamtergebnis als 50. Ergebniss kompakt 2013 dieses traumhafte Wochenende höchst zufrieden sportlich abschließen.

Nach dem Sammeln ging es ab in die Thermenwelt „Sieben Welten“ bei Fulda. Hier wollten wir dieses Event in einem sehr schönen Ambiente ausklingen lasse. Ich muss sagen, perfekt! 🙂 Perfekt in allen Belangen, Spitze Lutz und Lars, das war ein weiteres Highlight.

Der Abschluss dieses langen Tages wurde dann bein Lutz gemacht. Hier wurden noch einige Bierchen verdrückt und das Erlebte, das Gefühlte revue passieren lassen. Um 1/2 2 schloss ich dann zufrieden meine Äuglein, wohl wissend, dass Alex neben mir auf mich aufpassen wird. 🙂

Fazit
Ich möchte hierzu nicht viel schreiben, sondern nur DANKE sagen !!!

Danke an

Jule + Lutz, Katrin + Lars

die uns mit Gastfreundschaft überschüttet hatten und die dieses Laufwochenende so einzigartig werden ließ. Und ich glaube auch, dass ich da eine 100% Zustimmung von den anderen Lauffreunden bekommen werde, ohne Abstriche ! 🙂

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Garmin Connect (Link)

Alternativlink der TE

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6 thoughts on “Trainingsprotokoll – Tag 44

  1. Wenn man das so schön liest, dann möchte ich das auch noch einmal erleben, aber das bleibt wohl ein Traum. Aber schwätzen können wir vielleicht bald darüber!

    1. Danke Martin, schön wenn es das wider gibt, wie es war. So wie ich dich in dieser sehr kurzen Zeit kennen gelernt habe, bist auch du wieder eine weitere Bereicherung für uns! 🙂

      Weiterhin viel Spaß und Erfolg bei der Sache.

  2. Wos für ä klasse Bericht – wos für ä klasse Geläff.
    Christian, du bist ä Sportskanone vo dä absolutä Extraklasse – und des ned bloß auf dä Geläffs-Piste.
    Äs is ganz äfoch wahnsinnig schö, dich zu kennä 🙂

    1. Alex, das Kompliment kann ich nur zurück geben. Es ist immer eine Freude mit dir zusammen zu treffen und ein Event zu rocken.
      Wie schon im Connect geschrieben, ich freue mich schon sehr auf die Türkei, denn da haben wir ja noch mehr Zeit, um es auf- und abseits der Piste ordentlich krachen zu lassen! 😉

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