Ein schöner Abschluss

HM Pitztaler Gletschermarathon

Bevor es in die Regeneration geht, stand noch ein letzter Lauf an. Es sollte ein guter Abschluss der Saison werden, ein Lauf der doch noch etwas versöhnlich die Frühjahrssaison ausklingen lässt.

Gemeinsam mit Markus startete ich in aller herrgottsfrüh Richtung Pitztal. Das Wetter war wesentlich besser als angesagt, ideal, die Startunterlagen schon am Vortag sichergestellt, also kein großer Stress und somit stand einem schönen Rennen nur mehr unsere persönliche Leistung im Wege.

Nach dem HM vorigen Samstag in Prag wollte ich nur die 1:30 unterbieten und wenn es mit mir und Markus optimal läuft, dann sogar seine PB von 1:29:37 angreifen. Dazu musste er natürlich etwas motiviert werden und auch ein wenig an diese Möglichkeit glauben.

Die Busfahrt zum Start war schon recht früh angesetzt und so blieb uns eine Menge Zeit bis es endlich los ging. Um Punkt 10:00 war es dann so weit, der Startschuss war gefallen und das Warten hatte ein Ende. Taktisch hatten wir für den Anfang kein übermäßiges Tempo im Plan, knapp über 4 Minuten sollten es sein. Aber das hielt nicht, wir waren klarerweise durch das Gefälle schneller, stetig klar unter 4 Minuten.

Es rollte jedoch recht locker dahin, zwar etwas ungewohnt, denn wer läuft denn schon vom ersten Meter an bergab. Die Muskulatur bekommt da doch einiges weg, das merkt man recht schnell, sie wird hart und am Schienbein fängt es auch an zu ziehen. Jedoch alles nicht so schlimm ist doch Wettkampftag, da kann man schon ein wenig leiden. 😉 Zwischen KM 2-3 merkte ich, dass Markus eine kleine Lücke aufriss, heisst, ich musste meinen Drang ein wenig einbremsen und mich etwas zügeln. Von nun an ging es im Gleichschritt Schulter an Schulter dem Ziel entgegen.

Publikum war nicht gerade viel, aber das war auch nicht wirklich zu erwarten. Das Wenige war aber recht ambitioniert uns sporttreibende Verrückte zu mehr Leistung anzutreiben. Auch die Verpflegungsstellen waren vorbildlich ausgestattet und in ausreichender Anzahl vertreten. Das erwähne ich deshalb, weil eine Woche zuvor, bei den europäischen Betriebssportspielen dies alles anders ausgesehen hatte.

Die ersten echten Anstiege bei ca. 8 km bekamen mir eigenartigerweise gleich gar nicht. Mühevoll und mit harten Oberschenkeln mühte ich mich den Berg hoch und den Kommentar von Markus, das ist ja eine richtige Wohltat, ignorierte ich aus reinem Selbsterhaltungstrieb. Mir taten schlichtweg ganz ordentlich die Beine weh. Jetzt aber machte sich das zu zweit laufen erst so richtig bemerkbar. Markus hatte offensichtlich die besseren Flossen als ich und übernahm das Kommando. Na ja, was blieb mir da anderes über als mitzuziehen. Uih, das tat ordentlich weh, aber das war gut so, das war für den weiteren Verlauf ausgesprochen wichtig. Meine Krise dauerte nicht all zu lange, ich konnte mich beim darauf folgenden Flachstück sehr schnell erholen. Ab da ging es dann vorerst wieder wie gewohnt gut dahin.

So spulten wir KM für KM ab und als wir uns der 10 km Marke näherten gab es eine kurze aber klare Bemerkung von Markus, die keinen Zweifel aufkommen ließ, dass wir auf PB Kurs waren. Und von da an waren wir nur mehr auf der Überholspur. Keiner der Gestarteten konnte sich an uns dranhängen, ständig wurden Teilnehmer eingesammelt. Ganz markant war, dass speziell in den Anstiegen wir sehr viele Meter auf im Windschatten laufende bzw. vor uns liegende Läufer gutmachen konnten. Die Entfernungen zu den vor uns Platzierten schmolz nur so dahin. Es war ein recht gutes Gefühl, das muss ich schon sagen.

Ab dem 15. Kilometer verspürte ich so richtig einen Ruck, der durch den Markus ging. Jetzt war ihm klar, he das kann klappen, diese Butter lass ich mir nicht mehr vom Brot nehmen. Die Strecke alles andere als einfach, ständige Anstiege die im Zustand der Ermüdung im besonderen Maße schmerzten, aber jetzt gab es keine Gnade für die Wade. Nun war alles auf eine neue Bestzeit von Markus ausgerichtet. In diesen Abschnitten wechselten wir uns immer wieder in der Führung ab, je nach Zustand übernahm einer von uns beiden die Führungsarbeit. Und das war genau das richtige Konzept zum letztendlichen Erfolg.

Als wir dann bei KM 17 durch die Felder liefen, nochmals 3 Läufer, ein Zweiergespann ca 100 m und ein Solist sicher gut 200 m vor uns auftauchten, gab es nur mehr eines. Jetzt ist Zeit für eine EB. Nun ja, raketenhaft war diese EB nicht gerade, aber immerhin so gut, dass wir die erste Lücke recht rasch schließen konnten und unaufhaltsam an diesen zwei vorbei liefen. Jetzt war noch der Einzelkämpfer vor uns und diesen galt es auch noch zu schnupfen. Dem Markus brauchte ich nichts mehr zu sagen, denn der hatte schon längst „Blutgeschmack“ im Mund! 😉 Am allerletzten grausigen Anstieg vor dem Ziel war es dann so weit, wir hatten den Anschluss auf den Solisten geschafft. Ab da war es auch um ihn geschehen. Auch sein verzweifelter Versuch an uns dran zu bleiben wurde durch das Finish von Markus und mir zunichte gemacht. Einfach toll, ein irre gutes Gefühl.

Der Zieleinlauf war dann die Krönung. Hand in Hand liefen wir über die Ziellinie und als der Sprecher die Zeit verkündete hatte ich ein Glücksgefühl als wenn ich selbst eine neue PB gelaufen wäre. Das war einfach wunderbar, diese Zeit glaube ich, hätte sich der Markus nie und nimmer an diesem Tag erträumt. So umarmten wir uns und die Freude auf beiden Seiten war riesig.

Schön war auch das Zusammentreffen im Zielraum mit unserem Lauffreund Günter Schneider, der seine Marathonzeit wieder toppen konnte. Mittlerweile steht sie auf 2:37, für mich eine unfassbare Leistungsexplosion von ihm. Bedenke man, dass er gerade mal gut 5 Jahre in den Schuhen unterwegs ist und auch schon jenseits der 40 ist. Sein zweiter Gesamtrang, nur recht knapp hinter einem Ungarn, sagt wohl alles. Gewaltige Leistung von Günter.

Für mich hatte dieser WK eine große Bedeutung, denn er versöhnte mich mit der bisher eher bescheidenen Saison. Klar meine Ziele waren hochgesteckt, das Training voll darauf abgestimmt und so intensiv wie noch nie, daher auch wahrscheinlich auch mein mentaler Hänger im Anschluss an dem verkorksten Wienmarathon. Jetzt aber war wieder eitel Wonne.

Bei der anschließenden Preisverteilung durfte ich mich noch in der Klasse M55 über den souveränen Sieg erfreuen. Im Gesamtklassement erreichten wir Platz 13 (ich) und 14 (Markus). Wir lagen gerade mal 1 Sekunde auseinander. 🙂

Auf diesem Weg möchte ich meinem Begleiter Markus für seine wirklich tolle Leistung gratulieren. Ist es doch gegen Ende der Saison nicht unbedingt selbstverständlich, dass man nochmals zu einer persönlichen Bestzeit aufbricht und auch einfährt.

Ich danke dir auch für die vielen gemeinsamen KM und Stunden. Sie sind mir immer eine Freude, auch wenn so mancher KM körperlich schmerzt! 😉

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8 thoughts on “Ein schöner Abschluss

  1. Ja welch Freude, wieder etwas von der Hessen-Frau zu lesen!

    Ja Danke Nicole auch im Namen von Markus.
    Schön wieder etwas von dir zu lesen. Habe unlängst wieder an die Türkei gedacht und mich gefragt wie es dir ergeht! Ich hoffe sehr gut!

    Wünsche dir einen schönen Sommer und verletzungsfreie Trainings, damit dann im Herbst in Frankfurt so richtig angreifen kannst!

    GLG
    Christian 🙂

  2. Hallo meine beiden liebsten Tiroler.

    Ich grautuliere Euch zu Euerm fantastischen Finish und der noch besseren Zielzeit.

    Freue mich wieder von Euch zu sehen oder vielleicht ja auch auf das nächste gemeinsame Trainingslager?

    Liebe Grüße
    Eure Hessen-Frau Nicole

  3. Ein super Bericht, einfach toll. Jörg würde an dieser Stelle schreiben „ich hatte Piepi in den Augen“. Danke für die Unterstützung und deine treibenden Kräfte!!!

  4. Vom Profil her möchte man meinen, dass das eine geritzte Angelegenheit sein muss, nur werden immer die Tiefenmeter unterschätzt. Die sind nicht einfach zu laufen und nehmen den Muskel, speziell Oberschenkel und das Schienbein ordentlich her.
    Und wer sich all zu sehr im Abwärtsgalopp verausgabt, der bekommt die Rechnung dann so richtig präsentiert. Die Höhenmeter machen dich dann gar.

    Ja ich denke mir auch immer, der Herrgott muss ein Tiroler gewesen sein!

  5. Christian, in Arzl habe ich mit unseren Mieminger Wirtsleuten schon mitten im Ort die Mittagsmahlzeit eingenommen. Jetzt habe ich mir mal das Streckenprofil angeschaut, das schreit ja nach guten Zeiten, wenn das Ziel über 200m tiefer liegt als der Start. Beim Marathon ist es ja noch gravierender, da macht es schon 800m aus! Aber in dieser Bergwelt zu laufen, das muss schon ein ganz besonderer Genuss sein. Ich habe mich schon immer gefragt, womit ihr Österreicher diese traumhafte Kulisse zum Laufen verdient habt?

  6. Hast natürlich vollkommen Recht, ohne beißen geht nix. Nur das fiel mir nach Wien recht schwer. 😦
    Der Start war in Arzl auf ca. 1000 m Seehöhe. Das hat aber auch gereicht, dass ich ordentlich Muskelkater davongetragen habe. 😉

  7. Christian, das konnte man so recht nachempfinden, besonders die letzten Kilometer, als ihr einsammeln konntet. Aber eines ist auch klar, wenn man gute Zeiten laufen will, muss man schon beißen und das geht meistens nicht mit lockerem dahin laufen :-). Hoffentlich lag der Start nicht an der Braunschweiger Hütte, weil es gleich so bergab ging. Gute Regeneration!

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