Das war der VCM 2015

So, jetzt ist Zeit, dass ich mein Erlebnis VCM 2015 so halbwegs emotionsfrei niederschreiben kann. Ist nach der 2-jährigen Abstinenz und Durststrecke gar nicht so einfach.

Begonnen hat das Projekt VCM 2015 im Frühsommer 2014, als mein Freund Markus seine Meldung abgegeben hat und ich eigentlich aus Verzweiflung über die Situation und zum Trotz aus einer emotionalen Lage heraus ebenfalls gemeldet habe. Wohl wissend, dass alles noch mehr als vage und ungewiss war. Aber irgendwie musste ich aus meiner Höhle (Hölle) herausfinden. Da war das „und jetzt erst recht“, die einzige Option. Noch nie hatte ich soviel Fragezeichen in meinen Augen und im Gedanken, als zu diesem Zeitpunkt. Nur eines wusste ich, so geht es nicht mehr weiter, ich kann mich nicht nur ständig selbst bemitleiden und trübsal blasen.

OK, das war es dann mal für’s Erste.

Jetzt war mal erste Prio dies meiner besten Frau von allen möglichst schonend beizubringen. Was das bei meiner Vorgeschichte und meiner womöglichen Zukunft bedeutete, das kann man sich ausmalen. Na gut, meine Frau ist ja ein Teil von mir, wir sind schon seit über 35 Jahren ein Team, so auch jetzt. Einzige Einschränkung war die Art und Weiße wie ich das Unternehmen VCM angehe und das Versprechen, dass ich bei auftretenden Schwierigkeiten die Reißleine ziehe. Nun ja, das fiel mir nicht allzu schwer, denn das war auch meine Sichtweise bzw ist sie immer noch.

Also diese Hürde war mal geschafft, jetzt war einmal etwas Nachdenken gefragt, denn das Trainieren war prinzipiell nicht so das große Problem, nur das zu diesem Zeitpunkt „richtige, angepasst“ Training, das war mir in dieser Dimension noch eine Unbekannte. Seit Ende 2008 hatte ich stets nach PG (Peter Greif) trainiert und das kann ich unumwunden behaupten, für sportlich ambitionierte Hobbyatlethen ist das der Garant für Erfolg. Und diesen konnte ich ja bis Mitte 2013 in vollen Zügen genießen. Jetzt aber stellte sich die Frage wie man sich ein solches Training zusammenstellt, um dann am Tag X auch entsprechend vorbereitet zu sein. Ich sag es euch, das war fast das härteste, speziell am Anfang.

Ach ja Anfang. So richtig angefangen habe ich eigentlich erst mit Oktober 2014. Und da auch noch mehr als nur schaumgebremst, denn Vorsicht ist die Mutter des Porzellanladens. Gut bis zu meiner Operation im Juli war sowieso nix zu bestellen und danach war erstmal vorsichtiges herantasten und hineinhorchen der Schwerpunkt im Training.

OK, also im Oktober wurde erstmal etwas besser trainiert, meine riesige Sammlung an PG-Plänen wurde der Situation angepasst und ständig durch neue Arten ergänzt. Nur so richtig Stimmung wollte nicht aufkommen. Mal war ich auf Wolke sieben, um im nächsten Moment durch Zweifel gebeutelt zu werden. Und genau da hat sich meine jahrelange Freundschaft aus dem Greifforum als extrem hilfreich erwiesen. Der viele Kontakt im Garmin Connect mit ihnen haben mich über einige Tiefs rüber gerettet.

Aber den größten Anteil, neben meiner Familie und meinem Arzt, hat mein allerbester Lauffreund, möchte fast schon behaupten Laufziehsohn, der Markus. Ohne ihn wäre ich womöglich auf den Weg zurück liegen geblieben. Die vielen Läufe, Gespräche und Aufmunterungen waren der entscheidende Faktor.

DANKE!

Jetzt aber genug der Geschichtenerzählerei, das Thema heisst VCM 2015. 😉

Und los.
Am Freitag früh war die Anreise, Frau, Schwester und Schwager samt Gepäck ins Auto verladen und ab ging es. Nach gut 5 Stunden mit einigen Pausen war das Ziel erreicht. In unserem Fall war das erste Ziel die

Marathonmesse, wo wir die Unterlagen

von mir und Markus abholten.

Im Anschluss gönnten wir uns noch einen Rundgang. Meiner Meinung nach hat sie sich doch stark verkleinert, aber immer noch einiges zu sehen. Besonders die der

bemalte Wandteppich aus gespendeten Leiberln war interessant.

Auch die Kapazunder des VCM vcm01haben wir angetroffen und da habe ich gleich die Gelegenheit für ein Foto mit ihnen genutzt.

Am Abend dann das obligatorische Treffen mit den Laufkollegen. Heuer sogar mit einer Ernährungsexpertin aus meinem schönen Tirol, die ebenfalls mit an Bord war. Ganz toll dass mein Freund Jörg mit seiner Frau Doreen, trotz Verletzung und Frust, den Weg von Fulda nach Wien auf sich genommen hat, um uns, den Markus, den Alex und mich beim Wettkampf anzufeuern. Jörg, Doreen, das war schön euch wieder zu sehen und Jörg ich zähle auf deine sinnstiftenden Laufprojekte, wo wir wieder mal alle zusammen am Start stehen können! 🙂

Der Samstag war, nach einem Morgenlauf nüchtern, dann ganz der Entspannung und dem Kulturprogramm gewidmet. 🙂

Sonntag, 12.04.2015 – der Tag X, er war da!

Am Vortag schon mal meine Klamotten hergerichtet, um dann frühmorgens um 6°° nicht noch herumkramen zu müssen.Mit Markus war für 6:30 das Frühstück eingeplant. Bis dahin war ich noch recht locker, aber als feststand, dass es kein zurück mehr gibt, da war die Nervosität mindestens so groß wie vor meinem Debüt 2007 in Berlin.

Die Frage, wo wird mich meine Reise heute hinführen, das war mir schon ordentlich im Magen gelegen. Da frägt man sich schon einiges, ist auf einmal nicht mehr so überzeugt, dass das alles richtig war und fürchtet sich vor dem möglichen Konsequenzen. Gut nur, dass der Markus da war, denn somit war die Ablenkung etwas größer. Erst als ich mit Alex und Markus ins Aufwärmen gestartet bin, da war ich wieder so wie immer vor einem Start, ruhig und zufrieden mit meiner Entscheidung.

VCM 2015_PG-Team
Ein tolles Quartett

Als dann um 09:00 der Startschuss fiel war es erstmalig so, dass ich mich als aktiver Zuseher fühlte, ein jener welcher, der aus der besten Reihe, dem besten Platz alles live und direkt miterleben durfte. Bis jetzt war ich immer so fokusiert, so zielgerichtet, dass ich eigentlich nichts um mich herum mitbekommen habe. Nur das Tempo, meine Schritte, der Rhythmus war wichtig, der Rest, na ja, der musste halt auch sein.

Dieses mal war ich Beobachter mitten unter 40.000 Laufbegeisterten.

Ein für mich noch nie dagewesenes und kaum zu beschreibendes Erlebnis. Und das änderte sich bis zur Ziellinie, mit Ausnahme von ganz wenigen Teilabschnitten, wo ich gedanklich mit Markus und seinem Run beschäftigt war, keine Sekunde. Genuss pur!!!

Meine Familie, Doreen und Jörg, sowie mein Arbeitskollege Erwin mit Ilse (danke für die Fotos) an der Strecke haben das Ganze noch zusätzlich verschönert

Diese Diashow benötigt JavaScript.

und haben für zusätzliche Glückshormone gesorgt. 🙂

Die Zeit war zwar nur sekundär, aber unter diesem Aspekt denke ich doch herzeigbar.
3:21:43

Der supernette Abschluß im Kaisermühlen bei leckerem Essen war dann so das Tüpftchen auf dem i. Schade war nur, daß wir Alex nicht mehr gesehen hatten bzw treffen konnten und ihm zu seiner super Leistung bei einem Bierchen gratulieren konnten.

Gratulieren konnte ich hingegen dem Markus, denn er hat etwas geschafft, von dem viele Läufer nur träumen. Markus ich gratuliere dir hier auf diesem Wege nochmals zu deinem 2:59:07! Meine Gedanken haben dich begleitet, vielleicht hat’s geholfen. Ich freue mich riesig über deinen Erfolg!

Alles in Allem wieder ein Highlight der Sonderklasse. Danke für eure tolle Unterstützung.

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12 thoughts on “Das war der VCM 2015

  1. Hallo Christian, toller Bericht von einem tollen Event !! Da steckt ganz viel für Dich drin, diese Durststrecke überwunden zu haben. Dieser Bericht ist besondere Motivation für mich, der ich mich in einem mentalen Loch befinde, wie es ähnlich bei Dir war. Da kommt eine Krankheit und nichts ist wie es vorher war. Aber ich weiß auch irgendwann kommt man aus dem Tal auch wieder heraus. Ich motiviere mich mit solchen Erfolgsgeschichten wie sie Du geschrieben hast. Du bist und bleibst mein großes Vorbild. Nochmals herzlichen Glückwunsch !

    1. Hi Martin!
      Danke für deinen netten Kommentar.
      Es freut mich natürlich ganz besonders, wenn es dir eine Hilfe ist, aus dem Loch herauszufinden. Ich denke, wir beide wissen sehr genau was das bedeutet und welch Anstrengungen es bedarf, dass man wieder so halbwegs der „Alte“ wird.
      Ich bin aber bei dir ganz, ganz zuversichtlich, dass es wird und du, vielleicht mit mir gemeinsam, wieder einmal ein schönes Event, so wie eben das letzte in Wien, abfeiern können.

      Bleib dran, auch wenn es oft sehr schwer ist, du wirst belohnt, ganz sicher.

      Dein Freund,
      Christian

  2. SUUUUUUPER Christian. Vom Ofang bis zum Schluss. GEIL WOR’S !!! 🙂
    Und äs schüänä is jo: äs is nu lang lang ned vorbei … äs gedd weiter … immer weiter … 🙂

  3. Toller emotionaler, packender Bericht, der keinen kalt läßt, der dich kennt und dich -wenn auch nur aus der Ferne- über die Jahre begleiten durfte. Ich freue mich riesig, daß du so ein tolles Comeback hattest! Die Zeit ist superklasse, wenngleich Nebensache bei deiner Vorgeschichte. Das Leben besteht aus mehr als 6 Ziffern, getrennt durch 2 Doppelpunkte! Aber das muß ich dir ja nicht sagen 😉 Weiter so, mein Freund. Ich freue mich, wenn wir uns irgendwann mal wieder live treffen. Du bist eines meiner großen Lauf-Vorbilder 🙂

    1. Du sagst es Andreas, die Zeit ist Nebensache.
      ich hoffe auch, dass wir wieder einmal ein gemeinsames Event feiern können. Bist ja in den letzten 2 Jahren auch nicht gerade vom Glück verfolgt gewesen.

      Wünsche dir ebenfalls alles Gute, dein Freund aus Tirol! 🙂

  4. Hallo Christian! Ich gratuliere dir von ganzem Herzen. Super Aktion, ich beneide dich für dieses tolle Erlebnis und Highlight an dem du lange gezweifelt hast. Aber du hast nicht aufgegeben und dein Ziel im Auge behalten. Das ist das wichtigste; so soll es sein. Du bist ein Kämpfer. Und ohne Kampf kann man nicht gewinnen. Und vor deiner Zeit habe ich alle Hochachtung. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie du dich jetzt fühlst. Und dieses Gefühl behält man sehr lange, ist wie Doping – im positiven Sinne! 🙂
    Weiter so und sportliche Grüße
    Robert

    1. Robert, erstmals danke für die Gratulation. Ja, das war harte Arbeit, Arbeit für den Kopf und nicht nur für den Körper. Dass es dann doch so locker ging, das war dann schon etwas überraschend. Dass es dann mit der Zeit auch noch ganz gut funktioniert hat, das ist dann halt das Töpfchen auf dem i. 🙂

      Dir auch weiterhin alles Gute,
      Christian

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