Hamburg Marathon – 17.04.2016

Das sind die kurzen Eckdaten, die mir ein unvergessliches Wochenende beschert haben. Hamburg1
Unvergesslich nicht weil ich so eine tolle Zeit gelaufen wäre, sondern weil das Gesamtpaket, Sightseeing+Lauffreunde+Marathon einfach extrem stimmig waren. Aber der Reihe nach.

Angefangen hat das ganze ja letztes Jahr im Herbst, als ich wieder einen Anfall hatte und das Gefühl einen Marathon zu laufen übermächtig wurde. Gedacht, getan, ich habe mir den Hamburgmarathon ausgesucht, weil ich davon schon einige male im Garmin Connect positives zu lesen bekam. Und Hamburg, ja das strahlte irgendwie eine Faszination auf mich aus.

Geplant war ein Marathon ohne genaue zeitliche Vorgabe, so in etwa wie 2015 in Wien, also so zwischen 3:30 bis 3:20, wenn es im Training optimal läuft, dann etwas unter 3:20. Plan erstellt und los ging es. Ohje, schon in der Anfangsphase hatte ich schon einige Startschwierigkeiten. Immer wieder einmal erwischte ich mich, dem Schweinehund bzw. dem Schlendrian nachgegeben zu haben. Aber das war ja noch nichts beunruhigendes, denn das kennt doch ein Jeder. Als es dann zum Jahreswechsel hin ging, dann wurde ich doch schon etwas unruhiger und vor allem stellte ich mir immer wieder die Frage, was willst du eigentlich? Warum versuchst du krampfhaft ein Training durchzuziehen, das ich derzeit, wer weiß wann überhaupt wieder einmal, nicht in meine Birne hinein bringe, geschweige meinem Körper beibringe! Ein immer währender Kampf mit mir entstand. Training ja, aber nach einem vorgegebenen Muster, dass mir einen weitgehend sorgenfreien Marathon garantiert, buh schwierig bis unmöglich.
Nun ja, so quälte ich mich mal mit mehr bzw. weniger Lust herum und kam dann zu meinem Entschluss, jetzt ist vorerst einmal genug, deine PB wirst du sowieso nicht mehr verbessern können und für alles Andere reicht auch ein wenig weniger. Mein Training wurde meiner Stimmung und der Lust und Laune angepasst. KM-mäßig ok, aber kaum Qualitätskilometer a‘ la Peter Greif, dem Trainer.

So das war dann mal die neue Ausgangslage, aus der es galt daraus etwas zu machen. Und da kam mir mein Freund Martin und seine Arbeitskollegin Brigitta, die ja jede Woche ein Mittagsläufchen gemeinsam starten, gerade recht. Die Einträge von Brigitta waren urplötzlich megamäßig interessant, da sie ja ebenfalls in Hamburg an den Start gehen wollte, um ihre alte PB von 3:51:56 auf unter 3:50:xy zu drücken.
Das hat mich dann nicht mehr in Ruhe gelassen und ich machte ihr den Vorschlag, als Pacemaker für sie zu agieren. Für mich nichts unbekanntes, da ich dieses schon dreimal für meine Lauffreunde gemacht hatte, alles Läufe für unter 3:30 bzw. 3:25. Und unter 3:50 zu laufen ist auch im weniger gut trainierten Zustand für mich ein kein allzu großes Problem, wäre aber ein lohnendes Ziel und würde dem ganzen Unternehmen Hamburg eine Extrawürze verleihen. Zudem war ich ja mit Jörg in Hamburg für einen gemeinsamen Run verabredet und da er auch nicht unbedingt übertrainiert war, wäre das sicher auch für ihn eine Challenge. Nach einigen hin und her war es dann soweit, wir starten für Brigitta als Pacemaker. 🙂

Start in dieses Marathonwochenende war schon am Freitag. Die Anreise via Fernbus nach München und dann mit dem Flieger ab nach Hamburg. Alles recht relaxt und unkompliziert. Das Hotel „nordic Domizil“ in der Stresemannstraße war von der Lage her und auch sonst eine gute Wahl, einzig die Gegend in der es stand erinnerte mich an Demos, Studentenbewegungen und war nicht unbedingt die sauberste.
Während meine Fangemeinde und Begleiter sich auf den Weg in Richtung Miniaturwelten machten, trabte ich gemütlich zur Marathonmesse um mich ausgiebig umzusehen und meine Startunterlagen zu holen. Am Abend ging es dann in ein typisches Fischlokal, echt gut. 🙂

Der nächste Tag war dann voll verplant mit Stadtrundfahrt im „roten Bus“ mit anschließender Einkaufstour bis die Beine nicht mehr wollten. 😉

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Abends dann das Zusammentreffen mit Jörg und Brigitta. Mit dabei waren auch seine Familie, seiner Radbegleitung beim Berliner Mauerlauf sowie Brigitta mit ihrer in Hamburg lebenden Freundin. Bein Italogriechen stärkten wir uns für das Unternehmen „Powerfrau läuft neue PB“ und stimmten uns ein wenig bezüglich Taktik ab.

Sonntag, 17.04.2016 – jetzt gilt’s.
Mit Jörg

gemütlich um 08:15 zum Startbereich gejoggt, um uns dann um 08:30 mit Brigitta zu treffen. Und da war schon zu erkennen, alles lief wie geschmiert. Trotzdem war eine gewissen Anspannung bei uns allen dreien zu erkennen.

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Jörg, Brigitta, ich vor dem Start

Bei Brigitta war das ja klar, aber auch bei uns war die Lockerheit nicht ganz so wie es vielleicht den Anschein hatte. Dabei war weniger das Zeitziel die Ursache, sondern vielmehr die unbekannte „Brigitta“. Brigitta kannten wir beide praktisch gar nicht, mussten uns aber in sie reinfühlen und versuchen aus ihrer Körpersprache die richtigen Schlüsse zu ziehen. Nichts desto trotz, die Stimmung näherte sich immer mehr dem Höhepunkt,

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Jörg u. Brigitta

die freudige Anspannung dominierte und das Feeling mitten in der Menschenmenge unter zu tauchen und mit sovielen Läuferinnen und Läufern dieses Abenteuer bestreiten zu dürfen, das war schon megamäßig.

Bei der Einordnung in den Startblock von Brigitta waren das erste mal verdutzte Gesichter zu sehen, als wir, Jörg und ich, anstelle weit vorne in Block B uns in Block E zu ihr gesellt hatten. Ist eher nicht üblich, meistens geht die Reise in die andere Richtung, man will ja besser stehen als man ist! 😉

Punkt 9°° ging es los.

Na ja, für uns etwas später und eher im stockenden Schritten. Von Laufen war auf den ersten paar huntert Metern nicht zu denken. Aber so eilig hatten wir es nun doch nicht. Als dann endlich die Reise ins Ungewisse los ging, war erstes Ziel einen guten Rhytmus zu finden, den Kontakt zu Brigitta in der Menschenmenge zu halten und ihr Verhalten bei den kurzen spärlichen Kommandos und Nachfragen richtig zu interpretieren bzw. unser Verhalten wenn notwendig anzupassen. Aber schon nach wenigen Kilometern war klar, wir sind ein Team. Ein Team das harmoniert und nahezu nonverbal bestens funktioniert. So schlängelten wir uns zwischen den Läufern durch, die Wasseraufnahmen für Brigitta waren minimal (3x) und wurden von mir gebracht, sodass sie den Laufrhytmus beibehalten konnte.
So schmolzen die KM nur so dahin, die hamburger Fans und die Stimmung an der Laufstrecke phänomenal und auch die Strecke an sich super schön zu laufen.

Ich konnte diese Stimmung richtig geniesen, Kinderhände abklatschen, mit Mitläufern das ein oder andere kurze Pläuschen machen, einfach diese unglaubliche Stimmung in mich aufsaugen. Das ist das wundervolle bei einem Marathon mit Reserven und macht den Unterschied zu einem auf Anschlag gelaufenen WK aus.
Zudem kam noch eine bestens motivierte Brigitta hinzu, die immer nur bei meinen Zustandsanfragen mit „Daumen hoch“ reagierte. Egal wann, immer wurde der Daumen in Richtung Himmel gestreckt. Das war einfach toll und auch für mich enorm motivierend. Da fällt mir ein Satz ein, den Jörg so zwischendurch von sich gegeben hat.
Jörg:
Man bin ich froh, dass wir dieses hier durchziehen, denn wären wir beide alleine gelaufen, wir hätten uns niedergepallert! Ich denke, das wäre wahrscheinlich, wahrscheilich gewesen. Und das hätte dann ziemlich weh getan. 😉
So aber war es auch anstrengend und fordernd, da man nicht nur auf sich aufpassen musste, sondern uns auch noch einen optimalen Weg durch die vielen Beine zu bahnen und gleichzeitig das Tempo entsprechend konstant zu halten. Und ich denke, das gelang uns ganz hervorragend. Brigitta lief wie ein Uhrwerk, zeigte bis KM 30 kaum Verschleißerscheiningen. Es lief wie am Schnürchen, einfach genial.

Zwischendurch zuckte zwar Jörg auf Grund der enorm tollen Stimmung aus und ich musste ihn doch das ein oder andere mal ein wenig einbremsen. Seine Hufe waren  kaum zu bändigen. 😉

Der Rennverlauf
Als angestrebte Zielzeit war von Brigitta ursprünglich eine 3:49:59 am Plan, aber das geht natürlich nie und nimmer. Wer plant schon eine xy:zz:59 auf einen Marathon. Somit neue Zeitrechnung festgelegt, eine 3:48:xy sollte es schon werden. Brigitta hatte zwar etwas skeptisch dreingeschaut, aber akzeptiert. Mit Jörg war allerding doch ein etwas schnellere Zeit im Hinterkopf ausgemacht, nur das wusste sie nicht. Der Rennverlauf sollte es zeigen, ob das machbar ist, oder wir Schiffbruch erleiden.

Gestartet sind wir wie schon gesagt recht moderat, ging auch gar nicht schneller. Nach den ersten 10 Kilometern näherten wir uns schon einmal den angestrebten Pace von 5:28. Suksesive zogen wir dann etwas das Tempo an, beinahme unbemerkt ging die Durchschnittspace in die von uns gewünschte Richtung. Dabei immer der Blick Richtung Brigitta um zu sehen wie es so um sie steht. Aber unbeeindruckt spulte sie km für km runter. So ging es recht locker dahin, war der Wind zu heftig, dann machten Jörg und ich die Mauer und sie konnte somit etwas Kraft sparen. Auch da zeigte sich viel Rennverständnis bei ihr. Das Zusammenspiel war einfach genial!
Bei KM 30 bis 35 waren wir dann schon gefordert, die Moral von ihr hochzuhalten. Jetzt hat sich aber gezeigt, der 17.04.16 war ihr Tag. Wohl schon etwas gezeichnet mobilisierte sie alle Kräfte und ließ nicht mehr locker. Beeindruckend wie Brigitta da kämpfte und entgegen den üblichen Abfall unser nochmals leicht gesteigertes Tempo mirzugehen. Ab KM 38/39 dann war klar, das rocken wir heute in einer für Brigitta tollen Zeit. Eine 3:46/3:47 ist machbar. Als es dann an die 40er Marke ran ging, verblüffte mich Brigitta, obwohl schon am letzten Zacken unterwegs, versuchte sie selbst das Tempo nochmals zu verschärfen.
Die letzten zwei KM waren die schnellsten in diesem Rennen, zudem einen nagitiven Split herausgelaufen. Ich denke das sagt alles!!!

HM2016_Split Brigitta
Der Zieleinlauf dann ein wahes Freudenfest, Brigitta am roten Teppich voran und wir anfeuernd hinter ihr. Unvergesslich, grandios.

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Der verdiente Erfolg war gesichert, aus der 3:48/49 wurde eine neue PB von 3:46:28 für sie. Und wir, Jörg und ich feierten mit ihr diesen Erfolg.
Zielfoto_01Das anschließende alkofreie Bier ließen wir uns besonders gut schmecken.

Den Job mit Erfolg erledigt, megamäßigen Spaß gehabt.

Der Abschluss
Nach der leider zu frühen Verabschiedung von Brigitta und von Jörg, gab es für mich mit meinen Begleitern eine tolle Vorstellung vom Musical Aladin. 🙂 Am Abend dann noch einen Abschlussdrink an der Hotelbar und ab in die Heia (Bett). Am Montag um 10°° ging es dann mit dem Flieger zurück nach Innsbruck. Mit im Gepäck, tolle Erinnerungen von Hamburg als Stadt, wunderbarer Marathon mitten unter vielen Fans und das Glücksgefühl den Auftrag erfüllt zu haben.

Herz was willst du mehr!

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